Am Apparat Telefonkolumne

Gibt es einen Ansturm auf Notare, Herr Bittner?

Politik | ANRUF: B. NARODOSLAWSKY | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Die Steuerreform hat zwar keine Erbschaftssteuer gebracht, Auswirkungen auf die Erbschaft bringt sie dennoch mit sich, da die Grunderwerbssteuer künftig anders berechnet wird. Wegen dieser Änderung haben die Notare im Land viel zu tun, erklärt Ludwig Bittner, Präsident der österreichischen Notariatskammer.

Gibt es gerade einen Run auf die Notariate?

Von einem Run zu sprechen, wäre noch zu früh, aber man merkt, dass die Verunsicherung derzeit groß ist. Ich rate jedem Klienten zur Ruhe. Die Gesetze sind noch nicht ausgearbeitet, man sollte warten, bis sie fertig ausgearbeitet sind.

Wovor fürchten sich Ihre Klienten?

Bislang ist eine Immobilie mit einem Einheitswert berechnet worden, das war sehr einfach. Wenn man künftig erbt oder zu Lebzeiten übergibt, muss hingegen ein Verkehrswert ermittelt werden. Das bedeutet, man muss die Immobilie schätzen lassen. Das kann teuer werden, weil es sehr aufwendig ist. Die Kosten dafür können die Begünstigungen wieder wettmachen. Stellen sich Berechnungen als falsch heraus, gibt es dazu noch Probleme mit dem Finanzamt.

Aber der Einheitswert ist auch unfair.

Die Grundlage für den Einheitswert ist 40 Jahre alt. Seitdem sind nur Prozente hinzumultipliziert worden. Die Einheitswerte sind mittlerweile etwa vervierfacht worden. Aber es wurde zum Beispiel nicht berücksichtigt, ob das Gebiet, in dem sich die Immobilie befindet, aufgewertet wurde. Die Einheitswerte sind einfach linear gestiegen. Man muss sich eine neue Berechnungsmethode überlegen.

Gibt es jemanden, der von der neuen Berechnung profitiert?

Wenn die Bewertungsfrage geklärt ist, könnte es sich bei kleineren Werten positiv auswirken. Aber wir sprechen dabei von Objekten, die unter 150.000 Euro wert ist. Wo hat jemand so ein Objekt? Das sind die Ausnahmen. Also ich sehe kaum Profiteure dabei.


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