Ein bisschen Hrabal

Das Shabu hat einen Nachfolger: Automat Welt. Schöner und schräger als zuvor

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Georg Aichmayr ist es wichtig zu betonen, dass das Lokal „Automat Welt“ noch nicht ganz fertig ist. Davon bekommt man freilich nicht viel mit, und es ist letztlich auch ganz egal, denn: Es hat endlich offen!

Und das hat ja auch ein bisschen gedauert. Also konkret 24 Jahre, 1991 war es nämlich, als Georg Aichmayr nach Prag fuhr, um die Gasthäuser, die der von ihm sehr verehrte tschechische Schriftsteller Bohumil Hrabal in seinen Büchern vorkommen ließ, aufzusuchen. Er fand so ziemlich alle, nur das „Automat Svet“ nicht, das war bereits abgerissen.

Weshalb Georg Aichmayr den Plan fasste, das „Automat Welt“ halt selbst zu machen. Irgendwann einmal. In den folgenden Jahren kamen und gingen das Freihaus, die Schöne Perle, der Nordpol, das Shabu. Und irgendwann war das „Na und?“ am Volkertplatz dann frei.

Aichmayr und sein Partner Martin Neumann renovierten. Die alte, sagenhaft schöne Schank aus den 30er-Jahren wurde wieder in Gang gesetzt; die unsäglichen Fliesen durch einen Holzboden ersetzt; die alte Lambris originalgetreu nachgebaut; Retro-Lampen installiert; ein Bücherregal mit erbaulicher Literatur und der – schon aus der Schönen Perle bekannte – „funghetto“- alias „Stoppel-Billard“-Tisch aufgestellt. Was soll man sagen: volles Haus.

Und das, obwohl es die Craft-Beer-Karte noch gar nicht gibt (die dann recht gut sortiert sein wird) und auch die Speisekarte noch nicht ihre endgültige Fassung hat, was allerdings dem Vernehmen nach ohnehin nie der Fall sein wird, weil sich die immer anpassen und verändern soll, so Aichmayr. Mehr gekocht als im Shabu soll jedenfalls schon werden, und zwar von Maria, die zuvor die Küche im Rebhuhn schupfte, Restaurant oder Gasthaus soll Automat Welt trotzdem keines werden. Eher eine Art Stadtheuriger „mit guten Produkten, die nicht schnöselhaft umgesetzt werden“. Und mit einem gewissen, der Wurst gewidmeten Schwerpunkt, was man gar nicht ausreichend begrüßen kann.

Recht dick aufgeschnitten etwa im Fall der unglaublich saftigen, recht frischen Salami und des endlos zarten, luftgetrockneten Schopfs vom Labonca-Hof, einem an Vorbildlichkeit kaum zu übertreffenden Weideschweinhalter in der Steiermark (€ 8,90). Oder gesotten in Form von Bison-Würsten aus dem Innviertel, etwa einer Debreziner, die so mürb und harmonisch und wunderbar ist, gar nicht so aufdringlich und geil wie sonst gerne, arg gut (€ 5,40). Suppe gab’s auch gerade, eine mächtige, dickflüssige Paradeiser-Zwiebel-Suppe mit Koriander-Basilikum-Pesto und Dinkelbrotcroutons – ja, das war eine sehr gute Suppe
(€ 3,60). Weinmäßig kommt das Weinviertel natürlich wieder stark zum Tragen, und hier die speziellen, guten Sachen, das Bier wird fraglos super werden, Garten gibt’s auch bald, und am Sonntag wird paniert und gebacken. Auf Bohumil Hrabal!

Resümee:

Der Volkertplatz hat sein erstes wirklich lässiges Lokal. Mit großartigen Würsten, guten Weinen und extravaganten Bieren. Und Büchern.

Automat Welt
2., Rueppg. 19
Mo–Fr 16–2, Sa, So 11–2 Uhr
www.automat-welt.at


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