Kunst Kritik

Auf Entzug: Grau besiegt die Farbpalette

Lexikon | NS | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015

Er verwendete stets ungemischte Ölfarben und vermerkte auf der Rückseite seiner Gemälde die Nummern der Farbtuben. Josef Albers' Bildserie "Homage to the Square" lebt von den immer neu kombinierten Farbtönen, in denen drei oder vier Quadrate ineinander verschachtelt werden. Bei den Zeichnungen von Klaus Mosettig, die nun bei Hofstätter Projekte gezeigt werden, ist jegliche Couleur verschwunden. Dort reiht sich Hommage an Hommage, aber immer nur Grau in Grau.

Die facettenreiche Ausstellung heißt "Withdrawal", also Entzug, wobei auch die Zeichnung in dem englischen Wort steckt. Schon seit geraumer Zeit eignet sich Mosettig Werke anderer Künstler an, indem er sie mit Grafitstift in unendlicher Kleinarbeit zentimetergroßer Schraffuren wiederholt. Im Strahl des Diaprojektors vergehen hunderte Arbeitsstunden, ehe eine solche Hommage der "Homage" fertig ist. Der konzeptuelle Clou von Mosettigs Appropriationen liegt neben der aufwendigen Machart zweifellos in der Werkauswahl: In der Secession zeigte er 2009 seine Version eines Pollock'schen Tropfbildes, nun wiederholt er auch Selbstporträts von Lovis Corinth, Käthe Kollwitz und Fra Bartolomeo.

Auf großformatigen Papierbahnen setzt er Kopf neben Kopf, sodass man die fast identischen Bilder unweigerlich zu vergleichen beginnt. Wurde bei Pollock die expressive Spontaneität und Zufallsgeste entzogen, so ist es bei den Selbstbildnissen die Authentizität, die sich durch den Blick in den Spiegel und die Unmittelbarkeit des Strichs ergibt. Als doppelbödig erweist sich auch Mosettigs Bildduo namens "Informel", wo er gestische Stricheleien und Kringel vergrößert wiedergibt. Diese Kürzel stammen nämlich von keinem berühmten kunsthistorischen Vorläufer, sondern von seiner kleinen Tochter.

Hofstätter Projekte; bis 9.5.


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