Ein Digital Boy des 20. Jahrhunderts

Der US-Autor Daniel Genis musste für zehn Jahre hinter Gitter -ohne Internet. Wie hat ihn das verändert?

Medien | ESSAY: DANIEL GENIS | aus FALTER 13/15 vom 25.03.2015


Foto: Privat

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Ein Jahrzehnt lässt sich schwer fassen. Für Fruchtfliegen und Kinder ist es eine kleine Ewigkeit. Für mich ist es ein Drittel meines Lebens, zumindest, wenn ich die ersten sieben Jahre ausklammere, in denen mich vor allem primäre Körperfunktionen beschäftigten. Für das Internet aber, das still und leise schon 1969 geboren wurde, sind zehn Jahre entweder sehr viel oder kaum etwas. Je nachdem, welche zehn Jahre man heranzieht. Die ersten Dekaden waren eher ereignislos, die letzten zehn hingegen richtig revolutionär. Zu blöd, dass ich sie versäumt habe.

Die digitale Revolution wartet nicht, weder auf mich noch auf jemand anderen. Programmiersprachen, die meine Mutter noch lernte, als ich schon auf der Welt war, sind heute Spezialgebiete. Wer mit Fortran oder Assembler arbeitet, wird als „Alt-Programmierer“ gehänselt. Sie sind das digitale Äquivalent zu Handkopien und Fotobelichtung, Techniken, die der Fortschritt verschluckte.


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