Stadtrand Urbanismuskolumne

Die kleinstädtischste Metropole der Welt

Stadtleben | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Es ist die Macht der Gewohnheit, wenn man lange Zeit in ein und derselben Stadt lebt: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Oder besser gesagt die Stadt vor lauter Häusern. Täglich passierte Straßenzüge werden zu Kulissen, Kellner und Verkäuferinnen zu Statisten im eigenen Alltag. Das ändert sich erst, wenn man einmal wieder ein paar Schritte zurücktritt und das große Ganze betrachtet. Das gelingt am besten, indem man die eigene Stadt durch die Augen eines Fremden betrachtet. Und welcher Ort eignet sich besser, um einer Stadt auf den Puls zu fühlen, als ihr Flughafen?

Vergangene Woche, sechs Uhr morgens in Schwechat: Ein einziger verschlafener Abholer wartet mit einem Schild in den Händen. Auch im stylischen Café im Ankunftsschlauch überwiegt noch gähnende Leere. Anstatt Hektik und Trubel eines internationalen Airports herrscht in Schwechat eher die Gemächlichkeit eines griechischen Inselflughafens. Will man sein Frühstück auf Englisch bestellen, wird man gefragt "Wot du ju bikam?" Eh lieb. Also: Zeig mir deinen Flughafen, und ich sag dir, wer du bist. F


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