Wie sind die denn drauf?

Gibt es ein Popleben neben Wanda, Bilderbuch &Co? Klar doch. Über Steirerbands und ihre neuen Platten. Und wie das Musikervolk so tickt

POPGRAPSCHER: TIZ SCHAFFER | Steiermark | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015


Ratrock Tot Sint Jans schreibt tolle Songs und pfeift auf Selbstvermarktung (Foto: J. J. Kucek)

Ratrock Tot Sint Jans schreibt tolle Songs und pfeift auf Selbstvermarktung (Foto: J. J. Kucek)

Nach so einer Nacht ist meine Stimme nochmals die Spur tiefer“, sagt Paul Plut (26), während er sich eine Zigarette zusammendreht. Er und seine Band Marta haben ihr neues, zweites Album „Spaceships“ im Grazer Sub präsentiert. Danach wurde bis sechs Uhr morgens gefeiert. Trotzdem ist er fit. „Ich war nicht sehr betrunken“, meint er. „Seit einiger Zeit trinke ich nämlich gerne Raki mit Wasser.“ Interessante Methode, um nüchtern zu bleiben.

Pluts Stimme prägt auch die Band. Das Trio – neben Plut (Gitarre, Gesang) bestehend aus den Brüdern Stephan (Bass) und Günther Paulitsch (Schlagzeug) – klingt ein wenig so, als würde Lemmy Kilmister (Motörhead) mit einer jungen, agilen und wendigen Blues-Punk-Combo neu durchstarten. Die Reibeisenstimme, die Selbstgedrehten, die Gigs in subkulturellen Schuppen und Alkoholkonsum bis in die Puppen – man könnte Plut für einen Rock-’n’-Roll-Wüterich der alten Schule halten. Dabei ist er ein besonnener Zeitgenosse, von Beruf Volksschullehrer. Wenn er auflacht, dann unerwartet, dafür aber brüllend. Plut stammt aus der Ramsau, lebte einige Jahre in Graz und ist seit geraumer Zeit in Wien wohnhaft.

Noch etwas entspricht bei Marta so gar nicht den Klischees: Die Freundin von Plut, Julia Hager, schreibt die Texte für die Band – eine ungewöhnliche Konstruktion. Marta sind zwar direkt, laut und ungestüm, von ihren prägnanten Krachern geht aber auch eine Verletzlichkeit aus: „Die Texte brechen das Machogehabe“, erklärt Plut. Ist es komisch, fremde Texte zu singen? „Ich kenne es in dem Fall ja nicht anders“, sagt er und lacht. Ziemlich laut. Den Gesang von Plut kennt man auch von der in Graz als Duo gegründeten Formation Viech, der Song „Steuermann“ erfreute sich einer gewissen Popularität. Das Lied ist auch seinen Schülern bekannt, die er in Musik unterrichtet. Aber die eigenen Songs, die singt er mit den Kindern nicht.

Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige