Die Stunde der Eggheads

Theorie ist wieder da: Griechenlands linker Finanzminister Yanis Varoufakis macht das Erbe von Marx und Freud wieder hip. Krieg und Armut steigern die Nachfrage nach radikalen Thesen. Zwischen Pastrami-Sandwich und Caffè Latte tauchen auch im reichen Mitteleuropa wieder die Theoriebände von Merve und Suhrkamp auf

Feuilleton | HANDAPPARAT: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015


Griechenlands Finanzminister Varoufakis (Foto: Kostas Baltas / Rex Features / picturedesk.com)

Griechenlands Finanzminister Varoufakis (Foto: Kostas Baltas / Rex Features / picturedesk.com)

Der Listenreiche steckt das Hemd nicht in die Hose und vergleicht den Kapitalismus mit der Büchse der Pandora. Seine europäischen Kollegen ermüdet der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, mehr Kopf als Zahl, mit langatmigen Exkursen. Seitdem der Odysseus der Neoliberalismuskritik in Europa umgeht, sind Begriffe wie Hegemonie und Diskursanalyse wieder sexy. Mit Varoufakis und der regierenden Syriza-Partei kehrt ein Akteur in die politische Arena zurück, der seit Jahrzehnten verschwunden war – der Theoretiker. The egghead is back.

Theorie, dieses Zauberwort intellektueller Distinktion, begann im versteinerten Konsens der Nachkriegszeit abweichlerisch zu funkeln. Nach Jahren im Exil stürmten Remigranten wie Theodor W. Adorno die öffentlichen Debatten. Adornos dunkler, aphoristischer Stil brachte einen neuen Sound in die Philosophie.


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