Ausstellung Kritik

Feierlaune, aber die Historie bleibt blass

Lexikon | NS | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Ihr 650-jähriges Bestehen feiert die Universität Wien unter anderem mit einer Ausstellung im Prunksaal der Nationalbibliothek. Die Schau "Wien 1365. Eine Universität entsteht" zeigt in erster Linie Handschriften, etwa die über einen Quadratmeter große Stiftungsurkunde der "hoe schuel", ein Vorlesungsverzeichnis von 1390 oder Mitschriften von Studenten, die mit - teils pikanten - Kritzeleien garniert sind. Kostbare Buchmalereien werden ebenso präsentiert wie astronomische oder medizinische Schriften oder das "Artistenzepter", ein teils vergoldeter Stab, der bei festlichen Zeremonien zum Einsatz kam. Der junge Universitätsgründer Herzog Rudolf IV. ist auf einem Halbprofilporträt zu sehen, das als Erstes seiner Art gilt.

Die Ausstellung rollt die Frühgeschichte der Universität Wien mit thematischen Kapiteln auf, die das Verhältnis zu Stadt und Hof ebenso beleuchten, wie das Studium damals und die Mobilität der Gelehrten. Leider wird die Zeit allein durch die Vitrinenobjekte sehr wenig plastisch. Das dicke Begleitheft zur Schau von Kuratorin Heidrun Rosenberg ist ambitioniert gestaltet, aber eine Herausforderung: Vor 50 unbeschrifteten Objekten den mit Daten vollgepfropften Hefteintrag zu studieren wird zu einem Mühsal. Wie wäre es mit anderen Vermittlungsformen, etwa iPads?

Die wenigen Anstrengungen in diese Richtung sind misslungen, etwa die hässlichen Repliken der damaligen Gelehrtenkleidung oder die Hörstation am historischen Lesepult, wo ein lateinischer Motivationstext verlesen wird. Dabei wäre es schon spannend, den Gebrauch einer der Wachstafeln oder mehr Bildmaterial zum damaligen Studentenleben zu sehen. In die Jetztzeit holt die Videoinstallation "Stairs. Vertical Video" von Künstler Hubert Lobnig, der die eiligen Studis von heute gefilmt hat.

ÖNB-Prunksaal; bis 3.5.


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