BODY & SOUL

Vor 100 Jahren wurde die Jahrhundertsängerin Billie Holiday geboren. Ein Komet, der rasch verglühte, aber ewig am Jazzhimmel erstrahlen wird


KNIEFALL: KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Der Hunger und die Liebe. "Alles, was ich bin und was ich vom Leben will, lässt sich auf diese beiden Wörter zurückführen", schreibt sie in ihrer Autobiografie "Lady Sings the Blues", die 1956 erscheint. Als sie aus diesem Anlass im Fernsehen auftritt, ist sie 41 und sieht um vieles älter aus. Drei Jahre werden ihr noch bleiben. Das aufgedunsene Gesicht lässt kaum erahnen, dass sie einmal eine Schönheit gewesen sein muss.

Aber dann singt Billie Holiday "My Man" - ein Song, der einen überwältigt, gerade weil er es so wenig darauf anlegt. Hauptsächlich scheint er aus Pausen zu bestehen. Holiday zögert die wenigen, nicht übermäßig kunstvollen Worte hinaus: "It cost me a lot / But there's one thing I've got / It's my man". Am Ende der Zeile, am Ende der Strophe, am Ende des Liedes läuft alles auf ihn hinaus: "My Man". Der natürlich kein Held ist, der nicht einmal besonders gut aussieht und es mit der Treue nicht so genau nimmt: "He isn't true / He beats me, too / What can I do?"

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