Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Soap-Opera

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Es war, wie man heute sagen würde, ein guder Falder. Dass etwas gut ist, mag man so direkt ja nicht aussprechen, man würde durch diese Direktheit sein Urteil dem Verdacht des dümmlichen Vereinfachens aussetzen. Dessen ungeachtet sage ich, es war ein guter Falter, und es fällt schwer, eine Auswahl zu treffen.

Er enthielt Erich Kleins Porträt des Jewgeni Chaldej; jenes Fotografen, der die Rote Armee 1945 bei der Befreiung Wiens von den Nazis begleitete. Außerdem ein Porträt des Stararchitekten Jean Nouvel von Andrea Hurton, ein Gespräch mit dem neuen Innenminister Caspar Einem von Thomas Seifert und mir. "Der Graue Block ist weg", jubelte der Falter nach dem Rücktritt der ungeliebten SP-Minister Jolly Hesoun und Franz Löschnak.

Warum wir all das nur lächelnd konstatieren und nicht zitieren? Weil der Falter auf den Skandal des Jahres mit einer "Soap Opera" reagierte, einem Sonderteil im Blatt. Das Profil hatte die Aussage eines Buben gebracht, der glaubhaft berichtete, der Kardinal Groër habe ihn missbraucht, und zwar unter der Dusche, unter dem Vorwand des Waschens mit Wasser und Seife.

Deshalb Soap-Opera. Sie war halbernst und enthielt ein Gespräch, das ich mit Profil-Herausgeber Hubertus Czernin über dessen Katholizismus führte (nicht sehr, aber doch). Martin Staudinger und Klaus Zellhofer berichteten über das "Schweigen der Hirten" und Hermes Phettberg -ein ehemaliger Zögling -schrieb dem Kardinal einen Brief.

Höhepunkt der Soap-Opera war aber eine "Seifenoper" mit dem Titel "Fa Diavolo", verfasst von einem gewissen Lupus Martinus, hinter dem sich Klaus Nüchtern verbarg. Die lateinische Anspielung auf den Krone-Reimer kostete uns 10.000 Schilling vor Gericht, die Reime waren aber deutlich lustiger als jene Wolf Martins.

Nur eine kleine Kostprobe: "Der dicke Bischof: Kaum sehe ich den Seifenhändler / krieg ich schon einen Kerzenständer / Der dünne Kardinal: Ach Bruder, mir geht's ebenso /des Händlers Anblick stimmt mich froh."


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