Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

"Wir sind nur Minuspunkte": Das Volkshilfe-Kleiderlager sperrt zu

Politik | HANNAH SCHIFKO | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Es gibt Secondhand-Boutiquen. Und es gibt das Volkshilfe-Kleiderlager. In den Boutiquen bekommt man getragene Kleidung. Im Lager gibt es neben günstigen Textilien aus zweiter Hand auch noch ein nettes Gespräch mit Gabriele Hlawinka. "Viele unserer Kunden kommen wegen der Kontakte hierher", weiß die resolute Pensionistin. Seit 15 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für die Volkshilfe, seit vier Jahren verkauft sie Kristallgläser, BHs oder Mäntel in der Ottakringer Straße.

Aber nur noch bis April. Denn da schließt der Verein Volkshilfe sein einziges Kleiderlager. Fünf Frauen über 40 verlieren ihren Job. Und neben Hlawinka weitere zehn Personen eine sinnstiftende Beschäftigung. Warum?"Kosteneinsparungen", sagt Walter Kiss, Geschäftsführer der Volkshilfe Wien. Die Non-Profit-Organisation könne die aus einer Initiative entstandene Einrichtung nicht mehr finanzieren. Denn während die acht Volkshilfe-Shops vom Arbeitmarkservice subventioniert werden, fallen im Kleiderlager Betriebskosten an. Personal, Miete, Reparaturen. Ein vierköpfiges Gremium habe gerechnet, sagt Kiss. Und das Kleiderlager musste daran glauben.

Die dort tätigen Damen fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Seit Jänner wissen sie von der Schließung. Gerne hätten sie gemeinsam mit den Verantwortlichen eine andere, für sie zufriedenstellende Lösung gefunden. "Denn keiner weiß, was hier Wichtiges geleistet wird", sagt Gabriele Hlawinka

Christine Svensson, Stammkundin, weiß das schon: "Die ganze Erfahrung der hier tätigen Menschen geht verloren", sagt die Soziologin. Sie findet, die Entscheidungsträger müssten sich darum bemühen, die Betroffenen in der Organisation zu halten. Wären die Volkshilfe-Shops da keine Option?

"Momentan habe ich nichts", so Kiss. Hlawinka resümiert: "Wir sind eben nur ein Minuspunkt in der Bilanz." Bis 16. April kann man diese noch verbessern: am Dienstag und Donnerstag von zehn bis 17 Uhr in 16., Ottakringer Straße 178.


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