Ein Berliner in Graz

Der in Graz verstorbene Architekt und Stadtplaner Hubert Hoffmann war den Ideen des Bauhauses verpflichtet

Steiermark | Neue Galerie, Graz, bis 7.6. | aus FALTER 14/15 vom 01.04.2015

Das Bauhaus und die Moderne muss man in einem Atemzug nennen. Das Bauhaus war eine Denk- und Hochschule, eine Haltung - es ging darum, Architektur und Kunst zu einen. Anfang des 20. Jahrhunderts wollten die Protagonisten des Bauhauses eine Architektur schaffen, "die dem menschlichen Maß angemessen ist". Hubert Hoffmann war einer dieser Protagonisten. Er wurde nach der Jahrhundertwende in Berlin geboren und ist 1999 in Graz verstorben. In der Grazer Neuen Galerie ist ihm nun die Ausstellung "Hubert Hoffmann. Alle Architektur ist Raumkunst" gewidmet, die ihn natürlich als Architekten und Stadtplaner, aber auch als bildenden Künstler, als Typografiker und Designer sowie als Lehrenden an der TU Graz ins rechte Licht rückt. Eingebunden ist die Schau in ein internationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt, an dem drei europäische Länder beteiligt sind: Slowenien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien.

1926 kam Hoffmann an das Bauhaus in Dessau, wo er etwa auch beim Bauhaus-Gründer Walter Gropius studierte. Hoffmann musste also seine Karriere aufbauen, als Europa nicht gerade seine erbaulichsten Dekaden erlebte - die Zwischenkriegszeit, der Zweite Weltkrieg und dann die kargen Nachkriegsjahre. Das und die Prägung durch das Bauhaus haben auch sein Schaffen bestimmt: Gestaltung an sich sollte immer den Menschen und vor allem sein Wohlergehen im Blickfeld haben.

Nach dem Krieg versuchte Hoffmann nicht nur das Bauhaus in Dessau wiederaufzubauen, sondern auch die verstreuten Mitglieder dieser Schule wieder zusammenzuführen. Er gehörte zudem zu jenen, die sich gegen das aufkommende Spekulantentum wehrten. Architektonisch hat er im Besonderen den verdichteten Flachbau propagiert. Als sein Standardwerk, verfasst mit anderen Architekten, gilt "Die gegliederte und aufgelockerte Stadt".

1959 übernahm Hoffmann die Leitung des Instituts für Städtebau und Landesplanung an der TU Graz. Hier setzte er sich etwa für den Erhalt der Altstadt ein und war zudem ein Befürworter des Plabutschtunnels. "Hoffmann hat in Graz nicht durch große Bauten Aufsehen erregt", heißt es im Pressetext, vielmehr war er ein Stadtdenker. Was er hier so getrieben hat, darauf geht die relativ textlastige Ausstellung klarerweise ein. Gezeigt werden aber auch Grafiken, die für Hoffmann eine "Fingerübung des Gefühls" waren. Zudem sind jede Menge Entwürfe und Fotografien zu sehen - insgesamt 100 Objekte. Aufgefächert wird natürlich auch seine Auseinandersetzung mit der Stadt Dessau.


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