Außen pfui, innen pfui: Tolstois "Die Macht der Finsternis" am Akademietheater

Feuilleton | Theaterkritik: Sara Schausberger: | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Das Leben ist ein sinnloses Übel, da hilft auch die Beichte am Ende nicht mehr. Habgier, Faulheit und Trunksucht haben den Knecht Nikita (Fabian Krüger) ins Verderben gestürzt: Er hat mit der Frau des Bauern geschlafen, dessen zurückgebliebene Tochter geschwängert und das neugeborene Kind mit der Schaufel erschlagen. Ein Kriminalfall in einem russischen Dorf inspirierte Leo Tolstoi 1886 zu seinem ersten Theaterstück. In "Die Macht der Finsternis" machen sich die nach sozialem Aufstieg strebenden bäuerlichen Figuren allesamt schuldig.

In seiner stimmigen Inszenierung überträgt Regisseur Antú Romero Nunes die Rohheit des Innenlebens auf die Bühne. Die Szenerie ist düster und zurückhaltend, gesprochen wird gefühllos und kalt, selbst die geistig zurückgebliebene Akulina (Mavie Hörbiger) verliert sich in Gemeinheiten. Ort der Handlung ist ein Berg aus grauen Stoffsäcken (Bühne: Florian Lösche). Prunk und Protz sucht man vergebens beim reichen Bauern Petr (Johannes Krisch), der nach der ersten Hälfte des Abends den von seiner Frau Anisja (Aenne Schwarz) herbeigeführten Tod sterben wird. Seine Haare sind lang und fettig, der Bart ungepflegt.

Victoria Behr hat bei den Kostümen auf überhöhten Realismus gesetzt, was einen eigenen Witz entwickelt. Dass der Knecht Nikita nicht fleißig ist, zeigt sich schon bei seinem ersten Auftritt: Ihm ist der dicke Bauch aus dem Hosenbund geschneidert. Akim, Nikitas Vater (Ignaz Kirchner), tritt als einzig nicht Verrohter mit einem Buckel auf.

Und den Frauen wurden breite Hüften, riesige Oberweiten und dicke Hintern unter die folkloristischen Blumenkleider genäht. Das größte Übel im Leben aber ist das Geld. "Wie lebst du?", wird Nikita, der im Pelzmantel mit den Rubeln um sich schmeißt, gegen Ende gefragt. "Du bist reich geworden", ist die traurige Bilanz. Dann spielt das Folklore-Ensemble auf.

Akademietheater, Sa 19.30


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