Menschen

Erwachsenenpop

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Wenn nach Konzerten in der Zeitung steht, der Künstler hätte "die Massen begeistert", stimmt das meistens eher nicht. Auch bei Paul Simon und Sting trifft das nicht wirklich zu. Es war nicht die ganz große Popmusiksause, nicht der schillernde Triumphzug zweier verdienter Helden am vergangenen Mittwoch in der Wiener Stadthalle. Dafür ist eine fast bis auf den letzten der 11.000 Stühle vollbesetzte Halle D aber auch nicht geschaffen. Der vollbärtige Engländer und der immer so kleine Amerikaner funktionieren gemeinsam, und das wissen sie. Die meiste Zeit spielten sie einander ihre größten Hits recht erwachsen und mit großer Bandbegleitung vor. "Fields of Gold" und "Englishman in New York" bot der eine, "You Can Call Me Al" und "Me and Julio Down by the Schoolyard" der andere in der Leistungsschau auf. So richtig bimmelte es aber dazwischen, wenn sie zusammen die ganz großen Pferde wie "Mrs. Robinson" und "Every Breath You Take" aus dem Stall ließen. Nach drei Stunden war's dann aber auch gut.

Was macht man nicht alles für den Hauptsponsor? Nachdem sich der viermalige Gewinner des Gesamtweltcups der Herren im alpinen Skilauf Marcel Hirscher zu "Willkommen Österreich" und sogar in Armin Wolfs "ZiB 2"-Arena gesetzt hat, absolvierte er jetzt eine eigene Pressekonferenz für seinen größten Unterstützer, die Raiffeisen-Bank. Dazu nahm er seine vier großen Kristallkugeln und allerhand gewonnene Medaillen mit in den DC Tower und ließ sich feiern und fotografieren und hielt abermals fest, dass diverse Dinge "oafoch genial" sind. Der wird froh sein, wenn jetzt dann endlich der Frühling beginnt.

Man kann nicht Silvester Stöger heißen. Doch, Silvester Stöger kann. Am Samstag eröffnete der Fotograf und Zeichner mit dem unplausiblen Namen seine Ausstellung in der 31st Gallery im achten Bezirk. Die Vernissage begründet die bis 22. April laufende Schau "Variations on Past and Future". Der Künstler zeigt dort eine Auswahl seiner neuen und wie gewohnt multimedialen Stücke. Der Lockenkopf Stöger hat eine Vorliebe fürs Urbane, fürs Gerade, fürs Technologische. Und den abgefahrensten Namen in der ganzen Branche.

Guido Maria Kretschmer war da. Die zynische Modekanone des deutschen TV-Senders VOX kam kürzlich für diverse Medientermine nach Wien. Der Designer und Autor des Buchs "Anziehungskraft Stil kennt keine Größe" ist extra mit dem Auto von Berlin angereist, um Barbara Schöneberger medienwirksam die Kleiderentwürfe für ihre Romy-Moderation zu zeigen und neben Helmut Brandstätt er und Rudolf John in die Kurier-Kameras zu grinsen. Und: Romyniert ist Kretschmer auch wieder, für sein Erfolgsformat "Shopping Queen" in der Kategorie "Unterhaltung/Talk/Doku-Soap". Während er im Hotel Sacher nächtigte, kümmerte sich seine "Putzkraft" daheim um die im Vorjahr gewonnene Romy-Statue: "Zerkratzt nichts, steht gut. Besser geht nicht", zitierte Kretschmer.

Conchita Wurst ist im vergangenen Jahr viel herumgekommen. Hat die Welt gesehen, Veranstaltungen aller Art veredelt und viele Menschen im Erfolgstrom mitgerissen. Der Modeschöpfer Jürgen Christian Hörl ist einer davon. Er hat mit seinem Label "Jchoerl" viele der Roben entworfen, in denen Conchita Wurst seit dem Song-Contest-Sieg über die roten Teppiche dieser Welt getrieben wurde. Jetzt hat er Wursts Garderobe sogar eine eigene Ausstellung gewidmet. In "Worn by Conchita" zeigte Hörl in einem Private Viewing von der Queen of Europe getragene Teile - "für weltweite Toleranz, durch Mode transportiert", wie er sagt. Und daneben fand er noch Zeit, seine Frühjahr/Sommer-Kollektion vorzustellen.


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