Rot ist das neue Schwarz

Farben, die nicht von dieser Welt sind: Das Filmmuseum feiert 100 Jahre Technicolor

Feuilleton | Expertise: Gerhard Midding | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Mit einem Mal war alles anders. Die Schaulust fand ungekannte Reize. Unversehens standen auf Schachbrettern weiße Figuren nicht mehr schwarzen gegenüber, sondern roten. Blut konnte nun auf viel dramatischere Weise fließen, Flammen loderten mit einem Mal viel bedrohlicher. Rothaarige Schauspielerinnen sahen einer glorreichen Zukunft entgegen. Und wenn ein Regisseur so viel Fantasie besaß wie der Brite Michael Powell, dann wurde die Leinwand bei einer Abblende nicht in Schwarz, sondern in Rot getaucht.

Ist es Zufall, dass auf der Leinwand nun plötzlich viel häufiger Horizonte zu sehen waren, die in malerisches Abend-oder Morgenrot getaucht sind? Gewiss, sie bieten dem Zuschauer vor allem prächtige Schauwerte dar. Aber sie gemahnen auch daran, dass alles, was wir im Kino heute als selbstverständlich nehmen, in dessen Geschichte mutige Pioniertaten waren, Aufbrüche in ungekanntes Terrain. Innovationen hatten stets gegen heftige Widerstände zu kämpfen, bevor sie ihren Siegeszug antraten.


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