Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Drei am Cover

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Die Entscheidung, was aufs Cover des Falter kommt, wird sowohl von der Mitwelt als auch von der Nachwelt oft zu Recht nicht verstanden. Die wenigen Argumente der Insider ("Aber unsere Geschichte ist besser als die der anderen","Wir protestieren gegen das allgemeine Gewäsch über das Thema der Woche, indem wir gar nicht darüber reden") bleiben diesen selbst vorbehalten.

So rätselt der Chronist, einst selbst den Insidern zugehörig, nun als Teil der Nachwelt vergebens darüber, was den Falter einst bewogen haben mag, ausgerechnet "Tank Girl" aufs Cover zu geben. Klar, die "Comic-Superheldin in Combat-Stiefeln" konnte als "Ikone des Endzeit Anarcho-Feminismus" durchgehen, also als ultimative Steigerung dessen, was als Girlie-Feminismus gerade en vogue war. Gewiss las sich die Geschichte von Thomas Rottenberg prima, Tank Girl rauchte Kette, agierte brutal und äußert anti-pc.

Trotzdem mussten damals schon Zweifel aufgekommen sein. Denn neben der Ikone tauchten zwei Passbildchen kleiner Konkurrenten auf dem Cover auf: Helmut Zilk und Jean-Paul Gaultier, der Ex-Bürgermeister und der Modeschöpfer, der eben den dritten Life Ball ausgestattet hatte.

Zwei Figuren mit ikonischer Qualität, jede für sich als Coverporträt geeignet. Aber man meint, die internen Argumente noch zu hören: "Nicht schon wieder ein alter Mann!"(Zilk),"War der nicht gerade auf der Vogue?"(Gaultier).

Zilk ließ sich im Interview mit Bernhard Odehnal und Thomas Seifert über seine Ex-Konkurrenten Peter Pilz und Erhard Busek aus. Die glichen einander insofern, sagte der Altbürgermeister, als beide "schwierige Kinder" seien, die alles täten, "damit sie in der Zeitung sind". Was man von Zilk nicht behaupten konnte (für die Nachwelt: Das ist ironisch gemeint).

Gaultier wiederum war einfach zu populär, schließlich hatte er nicht nur den Life Ball geprägt, sondern auch seine Freundin Madonna ausgestattet. Die sexuelle Emanzipation des Mannes sei noch lange nicht erreicht, er werde weiter darum kämpfen, erzählte er Andrea Hurton.


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