Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Nach dem letzen Mixgetränk

Steiermark | Tiz Schaffer | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Weder Eisenerz noch Vordernberg sind für Prosperität bekannt. Aber mit der Natur haben sie es ganz gut erwischt, am Präbichl kann man Ski fahren, paragleiten oder wandern. Und das Panorama genießt man am besten, wenn man mit dem Polstersessellift auf den Polster fährt, einen fast 2000 Meter hohen Gipfel. Leider besteht Gefahr, dass dieser historische Sessellift geschleift wird.

Eine Bürgerinitiative setzt sich nun dafür ein, diese "elegante Ingenieursbaukunst der Nachkriegszeit" zu erhalten, wie es eine beteiligte Architektin formulierte. Die Initiative hat gute Argumente: Der Sessellift sei die Antithese zum Massentourismus und er verkörpere ein Stück lokale Identität. Zudem ermögliche er Tiefschneefahrern den Zugang zu traumhaften Hängen. Am Gipfel tun sich erbauliche Wanderwege auf, und selbst nicht mehr so Fitte können in rund 15 Minuten hochalpines Terrain erreichen. Das geht nur mit dem Polsterlift.

Jetzt läuft die Konzession des 60 Jahre alten Liftes aus. Der Vordernberger Bürgermeister Walter Hubner, auch Geschäftsführer der Präbichl Bergbahnen, zaudert aber mit dem Ansuchen um Verlängerung. Er befürchtet, es wäre zu teuer, den Lift herzurichten. Zudem würden nur wenige Menschen den Lift nutzen.

Man sollte das gute alte Teil trotzdem erhalten. Nicht nur, weil 9000 Menschen die Petition zum Erhalt unterschrieben haben, sondern weil die Region damit ein Alleinstellungsmerkmal hat, das sie sicher besser vermarkten könnte. Und wenn nach der Rambazamba-Hüttengaudi das letzte hochprozentige Mixgetränk erbrochen ist, wird sich sicher so manch einer nach ein wenig Kontemplation ganz hoch oben sehnen.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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