Tiere

Höckergrab

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015


Bei Bauarbeiten für ein neues Shoppingcenter bei Tulln wurde ein fast vollständig erhaltenes Skelett eines Kamels aus der Zeit der Zweiten Türkenbelagerung gefunden. Wir lernen daraus, wie wunderbar diese manische Errichtung von Konsumparadiesen für die Archäologie ist. Und auf die zu erwartende Schlaumeierfrage, ob dies nun ein Dromedar oder ein Trampeltier gewesen sei, geben die Archäozoologen der Veterinärmedizinischen Universität in Wien die salomonische Antwort: beides. Nach Analyse der Knochen und genetischen Untersuchungen war die Mutter Dromedarin, der Vater ein Trampeltier. Das linke Schulterblatt: Trampeltier. Rechtes Schulterblatt: Dromedar. Oberarmknochen: Trampeltier. Oberschenkelknochen: Dromedar. Das ist vielleicht anatomisch interessant, aber die zentrale Frage, wie viele Höcker das Tier nun hatte, bleibt damit unbeantwortet. Da man auf den zweihöckrigen Trampeltieren nicht gut sitzen kann und man unter dem Namen für diese Hybride, „Tulu“, einhöckrige Fotos findet, reiten wir auf dieser Frage nicht weiter herum.

Mohammed, der Prophet, floh seinerzeit selbstverständlich auf einem Kamel nach Medina, später ritt er darauf ins Paradies. Das jüdische Gebot, nur Wiederkäuer zu essen, schloss ursprünglich auch Kamele mit ein. Später wurde es um eine Klauenspalterei erweitert: „Was aber widerkäut und hat Klauen und spaltet sie doch nicht, wie das Kamel, das ist euch unrein, und ihr sollt es nicht essen.“ In der islamischen Kultur hingegen ist der Verzehr des eher trockenen und fasrigen Kamelfleisches Zeichen der Religionszugehörigkeit.

Um als modernes Transportmittel mithalten zu können, müssen Kamele hingegen auch mit der Zeit gehen. In der westaustralischen Stadt Broome sind für diese Tiere
aus Gründen der Verkehrssicherheit rotblinkende Stopplichter vorgeschrieben. Da auf ihnen zunehmend Touristen transportiert werden, sind Kamele aus Sicht der Autofahrer zur regelrechten Plage geworden. Nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung erklärten sich
bereits zwei Veranstalter von Kameltouren auf Wunsch des Stadtrates bereit, das Hinterteil der Tiere mit batteriebetriebenen Fahrradrücklichtern auszurüsten. Die
Einführung eines Scheinwerfers an Kopf oder Brust halte man dagegen nicht für erforderlich. Was Archäologen in einigen hundert Jahren wohl über solche Ausgrabungen über unsere Kultur vermuten werden?


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