Fotografie Kritik

Im rechten Licht: Magische Lichtmomente

Lexikon | NS | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Die Leute sagen oft, ich hätte noch die Augen eines Kindes", hat die Fotografin Rinko Kawauchi, die jetzt im Kunsthaus Wien ausstellt, einmal zu ihrem Entdeckergeist gesagt. Die Fähigkeit, über die Ästhetik alltäglicher Phänomene zu staunen und diese in betörende Bilder zu gießen, ist der 1972 geborenen Japanerin tatsächlich nicht abzusprechen. Seien das nun Lichtreflexe in Baumkronen, Blumenknospen oder die Glut einer Zigarette: durch die Linse von Kawauchis Rolleiflex erhalten diese Momente eine sublime Anmutung. Sensibilität für Goldfische oder Kirschblüten schrammt zwar hart am Klischee japanischer Empfindsamkeit, aber zum Glück inszeniert die Künstlerin die Seh-Sensationen in ihrer Ausstellung sehr genau. Dort wechseln Großformate mit Anhäufungen kleinerer Aufnahmen und Räume mit Videoprojektionen ab, wodurch sie die Erhabenheitsfalle weitgehend umschifft.

Die Schau heißt "Illuminance", also Beleuchtungsstärke, und das Licht ist in Kawauchis Bildern das Um und Auf. Ihre Fotokunst führt in eine sanfte Welt, in der es sich noch lohnt, genauer hinzusehen. Sei es der Milchtropfen am Kinn eines Babys, eine tote Biene auf der Fensterbank oder Glasscherben am Boden, ihre Aufnahmen verströmen eine Qualität, die man einfach magisch nennen muss.

Ein schwarz ausgemalter Raum zeigt Fotos von brennenden Feldern, einer landwirtschaftlichen Tradition Japans, die teils wie von einem anderen Planeten wirken. Dann werden wir wieder zum ewigen Eis auf den Dachstein geführt. Die Künstlerin hat für die aktuelle Schau auch in Österreich fotografiert, unter anderem in einer Goldschmiede, aber diese Serie mit dem Titel "Search for the Sun" bleiben hinter den Stillleben aus ihrer gewohnten Umgebung zurück.

Kunsthaus Wien; bis 5.7.


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