"Da war eine Aufbruchstimmung"

Alle Jahre wieder ... eröffnet das Argus Bike Festival auf dem Rathausplatz die Fahrradsaison

Lexikon | Interview: Lisa Kiss | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015


Foto: Ale di Lullo

Foto: Ale di Lullo

Er gilt als Urgestein der Wiener Fahrradszene, war Obmann des Vereins Viennabikes, der das erste Leihradsystem der Stadt betrieb, und er organisiert seit 1999 das Argus Bike Festival auf dem Rathausplatz: Martin Friedl präsentiert sichtlich stolz eine dicke Pressemappe mit Berichten aus aller Welt über „sein“ Festival. Dann erzählt er ausführlich von dessen Anfängen – und über das kommende Event.

Falter: Was war die Motivation für das erste Wiener Bike Festival?

Martin Friedl: Oje, da muss ich weit ausholen. Damals, in grauer Vorzeit, engagierte sich Bürgermeister Helmut Zilk sehr für das Thema Fahrrad. Er setzte sich Anfang der 1990er mit dem Ringradweg gegen Widerstände von allen Seiten durch, und für die Radlobby Argus gab es ein Zelt auf dem Rathausplatz. Ab 1999 stellte ich die Argus-Fahrradtage sozusagen von „schwarz-weiß“ auf „färbig“ um. Ich wollte damit eine Plattform für die Vielfalt an Themen rund ums Fahrrad schaffen. Wir versuchten einfach ein guter Gastgeber zu sein für den Handel, die Hersteller, den Tourismus, die verschiedenen Initiativen, den Sport und natürlich für die Besucher, die wie die Aussteller inzwischen aus der ganzen Welt zu uns kommen.

Wie haben Sie die Anfangszeit
in Erinnerung?

Friedl: Da herrschte ein bissl eine Aufbruchstimmung. Das Mountainbike war kurz davor erfunden worden, da hat sich wirklich etwas bewegt. Bei der ersten Messe hatten wir 18 Ausstellerzelte, heute sind es alleine 120 Messestände, dazu gibt es einen riesigen Parcours und ein Rahmenprogramm. Das musste natürlich kontinuierlich wachsen, mit keinem Geld der Welt hätte man das von Beginn an so groß machen können. Das Thema Rad wurde mit den Jahren immer spannender. Zuerst gab es durch die Klimadebatte Rückenwind, dann durch die Wirtschaftskrise.

Gab es für das Festival Vorbilder in anderen Städten? Und gibt es mittlerweile gar Nachahmer?

Friedl: Es gab von der deutschen Fahrradzeitung Bike diesen Fahrradtest am Gardasee, den gibt es heute noch, da reiste man mit dem Zug oder Auto an und konnte dort Fahrräder ausprobieren. Das hat übrigens schon vor uns „Bike Festival“ geheißen, vielleicht haben wir da den Namen geklaut. Dass man urban und outdoor eine Messe mit Showprogramm macht, das gab es aber definitiv nicht. In diesem Bereich waren wir sicher Vorreiter. Es hat sich aber neben dem Argus Bike Festival nie eine andere Fahrrad-Besucher-Messe entwickelt. Was schon verwunderlich ist, weil Salzburg oder Linz ja wichtige Messestandorte sind. Offensichtlich hat sich aber niemand darübergewagt. In Deutschland gibt es zwar große Fahrradmessen, aber keine mit so umfangreichem Showprogramm und einer so tollen Kulisse. Die European Cyclist Federation, die 2013 wegen der Velocity in Wien war, hat damals „das größte Radfestival Europas“ geschrieben. Das kommt nicht aus meinem Mund, das kommt von der ECF.

Hat sich die Situation für Radfahrer in Wien seit der grünen Regierungsbeteiligung geändert?

Friedl: Auf jeden Fall. Man hat mit Imagekampagnen für eine soziale Anerkennung gesorgt. Bis dahin wurde einem immer gesagt, das seien Rowdies. Damit gewinnt man natürlich keine neue Zielgruppe, denn niemand will zu den Außenseitern gehören. Dazu kommt, dass Bauprogramme teils fertiggestellt und teils höchst ambitioniert fortgesetzt wurden. Ich kann nur sagen: allerhöchstes Lob!

Was bringt das Festival heuer?

Friedl: Das zehnjährige Jubiläum des Wettbewerbs „Vienna Air King“
ist vielleicht der wichtigste Programmpunkt des Festivals, weil die 50 besten Dirt Riders der Welt nach Wien
kommen. Wir werden die Geschichte dieses Sports nachzeichen, die alten Fahrer sind da, die Sieger. Begonnen hat es mit drei Sandhaufen, heuer schütten wir 1200 Tonnen Erde auf. Erstmals fährt auch eine Frau mit. Sie wird am Samstag bei der best trick competition dabei sein. Dafür sind die 15 besten Fahrer qualifiziert sowie eben die beste Frau. Wir haben extra das Reglement geändert, denn es wäre ja blöd, wenn sie da ist und sich dann vielleicht nicht einmal qualifizieren kann.

Wieso fahren nicht mehr
Frauen mit?

Friedl: Es ist schon Spitzensport auf höchstem Niveau und wahnsinnig gefährlich. Es geschehen leider doch immer wieder schwere Unfälle, auch mit Dauerfolgen. Insgesamt gibt es einfach noch nicht genügend Frauen, um eigene Bewerbe zu machen. Ich würde auch nicht sehen, dass sich da jetzt ein großer Trend abzeichnet, aber es muss ja nicht jede Sportart immer gegendert sein.

Rathausplatz, Sa, So 9.00 bis 18.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige