Mancherorts hilft nur noch Kunst aus dem Dilemma. Davon erzählt eine Schau im <rotor>

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Vororte können in ihrer Bildlosigkeit dramatisch triste Gegenden sein. Industrieorte auch. Am tristesten aber sind industriell geprägte Vororte im postindustriellen Zeitalter. Předlice, ein seit Jahrzehnten zum überwiegenden Teil von Roma und Romnija bewohntes Vorstadtgebiet der tschechischen Kreisstadt Ústí nad Labem, gibt eines der treffendsten Beispiele dafür ab. Das Bedeutungsspektrum des Begriffs "Problemviertel" lässt sich kaum stärker zur krasseren Seite hin ausreizen.

Seit den 90er-Jahren wird der von den Behörden vernachlässigte Stadtteil durch eine Vielzahl an künstlerisch-kollaborativen Interventionen der Fakultät für Kunst und Design der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität (FAD/UJEP) bearbeitet, zwischen 2009 und 2011 im Rahmen des vom Kunstverein losgetretenen EU-Projekts "Die Kunst des urbanen Handelns". Die Auswahl an seither entstandenen Arbeiten, die Michal Koleček und Zdena Kolečková nun für den Kunstverein in eine Ausstellung gepackt haben, macht schnell deutlich, wie heiß der Stein ist, auf den die Schweißtropfen partizipatorischen Bemühens in Předlice fallen.

Aber auch wie Kunst helfen kann, "Raus aus dem Dilemma" zu kommen. Klassischerweise geht es dabei um Strategien, der Perspektivlosigkeit mit neuen Ansätzen zu begegnen. Das beginnt bei poetischen Formulierungen des eigenen Standpunkts, mit warmem Licht in kalter Finsternis und endet bei utopischen Visionen, wie sich die ruinöse Gegenwart in eine grüne, von grasenden Rehen und schlauen Füchsen besiedelte Zukunft verwandeln könnte.

, Graz, bis 22.5.


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