Kommentar Stadtentwicklung

Wien, ein behäbiger Apparat ohne Visionen

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Wien ist zurzeit Großbaustelle. Schon seit Jahrzehnten wurde nicht mehr so viel gebaut wie jetzt: Ganze Stadtviertel werden auf dem Reißbrett entwickelt und hochgezogen und Stadtplanung ist plötzlich ein Thema, das alle beschäftigt. Zwar lehrten diverse Bürgerinitiativen die Stadtregierung schon seit der ersten Wiener Hochhausdebatte, die sich Anfang der 1960er-Jahre am Gartenbauhochhaus entzündete, das Fürchten, meistens konnten und können die Stadtfürsten ihr Ideen aber doch ziemlich unbehelligt durchsetzen.

Was dabei immer wieder auffällt: Die Stadt legt die Gestaltung gewisser Areale, sei das nun die Copa Cagrana mit ihrem Generalpächter Norbert Weber, die Donau City mit der WED oder der Donaukanal mit seinen vielen verschiedenen Investoren, gerne in private Hände und lässt sie sich entwickeln. In Architektenkreisen heißt es, den Wiener Stadtplanern fehle es an Weitsicht, es gebe keine Visionäre in ihren Reihen. Und denen, die, wie etwa der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr, außerhalb des vorgegebenen Rahmens denken, wird das Arbeiten schwergemacht.

Doch abgesehen von fehlenden Visionen sind auch strukturelle Probleme zu beklagen: Für so ziemlich jede Agenda sind eine eigene Magistrats-, Magistratsunterabteilung oder ausgelagerte Stadt-Wien-Tochter zuständig - an und für sich schon eine unübersichtliche, zu Behäbigkeit neigende Situation. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Zugehörigkeiten historisch gewachsen sind, was dazu führt, dass etwa die Donauinsel ins Ressort der SP-Umweltstadträtin Ulli Sima fällt, sodass diese dann hier stadtplanerische Entscheidungen trifft und nicht die grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou. Warum?


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