Kommen, wenn das Leben geht

Rosalia Zelenka, Österreichs einzige Tatortreinigerin, entfernt die Spuren, die der Tod hinterlassen hat

Stadtleben | Porträt: Birgit Wittstock | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Die einzige Hinterlassenschaft seines langen Lebens war ein kleines Notizbuch mit selbstverfassten Gedichten. Eine Insel der klaren Gedanken inmitten des absoluten Chaos. Außerhalb dieses Büchleins hatte er längst den Bezug zum Prinzip Ordnung verloren: Im Vorzimmer türmten sich stapelweise vergilbte, zerfledderte Zeitungen, Plastiksäcke, die überquollen vor Müll. Verpackungsüberbleibsel, verkrustete Eierschalen, Zigarettenstummel und andere bereits halb verwitterte Überreste eines Menschenlebens ergossen sich in einer wilden Sturzflut über das Wohnzimmer, bedeckten den Fußboden wie ein kniehoher Teppich. Die gesamte Wohnung: ein Bombentrichter. Das Badezimmer: zugekotet, voller verfaulender Speisereste und stinkender Abfälle. Der Mann, der hier einst lebte, hatte schon vor langer Zeit kapituliert.

Putzende Hinterbliebene

Als seine Verwandten Rosalia Zelenka anriefen, war er schon eine ganze Weile tot. Vermisst hatte ihn niemand, es war der Leichengeruch, den die Nachbarn bemerkt


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