Ströme im Untergrund

Immer wieder stürzen in Immer wieder stürzen in Wien Häuser aus der Gründerzeit ein. Sind Wiens unterirdische Bäche und Flüsse daran schuld?

Stadtleben | Rutengang: Maik Novotny | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015


Illustration: Daniel Car

Illustration: Daniel Car

Spielsalon, Möbelgeschäft, islamischer Verein, Tischler. Graubraune Vorstadt-Wohnhäuser aus der Gründerzeit. Ein Ecklokal, das sich nach dem Namen der Gasse benannt hat, in der es steht. Die Bachgasse in Ottakring unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von anderen Gassen des 16. Bezirks. Auch das Logo der Brauerei über dem großgeschriebenen Lokalnamen: nicht sehr überraschend. Dass beides zusammen den Schriftzug „Ottakringer BACH“ ergibt, ist vermutlich ein Zufall, doch dieser trifft ins Schwarze, denn genau der Ottakringer Bach ist es, der einst hier verlief und der Straße im Jahr 1864 den Namen gab. Dass diese ihre recht kurze Existenz ausgerechnet an der Mauer der Brauerei beendet, hinter der Bierflüsse in Sechzehnerbleche gefüllt werden, passt dabei metaphorisch schön ins Bild.

Der Ottakringer Bach ist eines der geschichtsträchtigsten Wiener Gewässer neben Donau und Wienfluss und der zweitlängste Bach Wiens. Nach dem Entspringen im Wienerwald verschwindet er im Stadtgebiet bald unter der Erde, durchmisst Thalia- und Lerchenfelder Straße, unterquert Otto Wagners prachtvollen Wohnbau in der Döblergasse, folgt den tiefen Graben der Neustiftgasse und – zumindest bis in die Neuzeit – den tiefen Graben des Tiefen Grabens in der Inneren Stadt, wo er einst die Grenze des inneren Römerlagers bildete. Später umgeleitet auf die Zweierlinie, mündet er genau dort in den Wienfluss, wo Orson Welles als Harry Lime sein schwarzweißes Ende fand.


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