Neue Bücher

Postpunk-Heldengedenken und Techno-Erinnerungen

Feuilleton | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Ian Curtis war noch keine 24 Jahre alt, als er sich im Mai 1980 erhängte. Gerade zwei Studioalben sowie eine Handvoll Singles hatte seine Postpunk-Band Joy Division veröffentlicht, und doch sollte der britische Sänger und Musiker zu einer der ganz großen Ikonen der Popgeschichte werden.

Vergangenen Herbst veröffentlichten seine Witwe Deborah Curtis und der Pop-Chronist Jon Savage alle erhaltenen Originalhandschriften der Songtexte in einem Prachtband, nun liegt die Übersetzung vor. Der eindrucksvolle Wälzer wirft allerdings zwei Fragen auf: Handelt es sich hier um pophistorisch wertvolles Material - oder doch eher um Devotionalienkitsch? Und: Waren Jan Böttchers Textübersetzungen echt nötig?"When routine bites hard /And ambitions are low", hebt Joy Divisions berühmtestes Lied "Love Will Tear Us Apart" an. "Wenn der Alltag ätzt /und es schwindet das Ziel" macht der deutsche Musiker und Autor daraus. GS

Maximilian Lenz alias Westbam ist seit über 30 Jahren DJ. Er legte als einer der Ersten in Deutschland Techno auf, war Popstar und Veranstalter der Mayday-Party, als Propagator einer "ravenden Gesellschaft" aber auch Techno-Intellektueller. Schon 1997 veröffentlichte er mit dem Autor Rainald Goetz das Buch "Mixes, Cuts &Scratches". Zum 50. Geburtstag, den er im März feierte, darf nun eine konventionelle Biografie erscheinen.

"Die Macht der Nacht" ist eine Sammlung kurzweiliger, abenteuerlicher, unglaublicher sowie unglaublich lustiger Geschichten aus dem Nachtleben. Westbam erinnert sich an seine Punkanfänge, an die endlose Party der 1990er-Jahre, die mit einer spontanen After Hour in Krefeld begann, und an den Kater danach. Er erweist sich als erfrischend uneitler Erzähler und gibt nebenbei das Geheimnis seiner langlebigen DJ-Karriere preis: "Schon vorher zu wissen, was als Nächstes gut kommt." SF


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