Irrungen, Wirrungen

Zweifeln am Selbst: Der amerikanische Schriftsteller Henry James seilte sich in die Tiefen der menschlichen Seele ab. Nun sind seine Erzählungen neu übersetzt erschienen

Feuilleton | Huldigung: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Man behaupte nie, bis ins Letzte über ein menschliches Herz Bescheid zu wissen." Mit diesem Satz hebt die Erzählung "Louisa Pallant" an, und damit beginnt auch "Das Tagebuch eines Mannes von fünfzig Jahren", ein Band mit Erzählungen von Henry James (1843-1916), die der an James Joyce geschulte Friedhelm Rathjen ins Deutsche übersetzt hat. Der Satz wie das Buch sind ein guter Einstieg ins Werk eines der größten und dafür erstaunlich wenig gelesenen Autoren.

Im Gegensatz zu Marcel Proust, Leo Tolstoi oder dem von ihm sehr verehrten Charles Dickens ist Henry James im deutschsprachigen Raum nie wirklich angekommen. Was zum Teil am hochgestochenen Ton seiner Romane und Erzählungen liegt, die nicht um den Leser buhlen, sondern von ihm erobert werden wollen. In gewisser Weise blieb James immer ein Außenseiter. Literarisch liegt sein Platz zwischen den Stühlen und Epochen. Und in der europäischen Oberschicht, deren Nähe er suchte und über die er trefflich schrieb, wurde er als gebürtiger


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