Mediaforschung Verführungskolumne

Wer das SPÖ-Plakat abschabt, macht einen interessanten Fund

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Im Februar hatte der Onkel gesagt: "Ich mache den Vorschlag, dass wir wieder Gemeindewohnungen bauen." Er blickte so grimmig drein wie immer, aber seine Freunde freuten sich und klatschten eifrig Beifall.

Nun lächelt der Onkel freundlich von SPÖ-Plakaten. Er hält dem Betrachter einen Wohnungsschlüssel entgegen, im Hintergrund Baukräne im Sonnenaufgang.

Der Onkel heißt Michael Häupl, er ist beruflich Bürgermeister der Stadt Wien. Er hat den Job seit 21 Jahren. Heuer sind Wahlen, Häupl will den Job fünf weitere Jahre machen. Dafür laufen jetzt die Vorbereitungen.

Da gibt es allerhand zu tun. Etwa eine Reform verhindern, die das Wahlrecht demokratischer machen würde. Oder für ein Thema werben, das sich gut verkaufen lässt - etwa Gemeindebauten. Und Verbündete suchen für den anlaufenden Wahlkampf.

Apropos Verbündete: Wer sich die Mühe macht, das SPÖ-Plakat abzuschaben, wird einen spannenden Fund machen. Das Gemeindebau-Sujet der SPÖ wurde über ein anderes Plakat mit demselben Thema geklebt. Gezahlt hat es die Stadt Wien, also der Steuerzahler. Es zeigt eine glückliche Mutter mit ihrem fröhlichen Baby und dem Slogan "Mein Gemeindebau". Beim Anblick bekommt man richtig Lust, zu ihnen zu ziehen.

Wüsste man es nicht besser, dass die rote Stadt und die SPÖ strikt voneinander getrennt sind, könnte man fast glauben, der Steuerzahler finanziere den Wahlkampf der SPÖ mit.

Wahrscheinlich war's aber bloß wieder nur ein dummer Zufall ...


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