Film Neu im Kino

Zäher Lachgummi: "Halbe Brüder" mit Sido

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 15/15 vom 08.04.2015

Julian hat die richtig üblen Zeiten hinter sich. Heute lebt er nicht schlecht von halb üblen Tricksereien, um das Geld sogleich für die Zukunft seiner Kinder auf die Bank zu tragen. Ein Termin beim Notar bringt Neuigkeiten: Als Julian gemeinsam mit Yasin und Addi hereingebeten wird, offenbart sich den drei Fremden, dass sie Halbbrüder sind. Ihre kürzlich verstorbene Mutter zeugte je ein Kind mit einem Deutschen, einem Türken und einem Afrikaner, bevor sie Nonne wurde. Ihr Erbe soll an ihre Söhne gehen - wenn diese ihre Väter und damit Hinweise auf das Geld finden.

Christian Alvarts Komödie "Halbe Brüder" ist als Mischung aus Roadund Buddy-Movie vor allem laut und überdreht. Ganz nett gelingt der Clash der Charaktere: Der souverän auftretende, jedoch von einer Horde rachsüchtiger Gangster verfolgte Julian (Paul "Sido" Würdig), der ängstlich-nerdige Yasin (Fahri Yardim), der die Firma seines Stiefvaters übernehmen soll, sich aber lieber auf Selbstfindungstrip begibt, und der naiv-exzentrische Addi (Tedros Teclebrhan), der als Rapper durchstarten möchte, geben kein so schlechtes Trio ab. Sein Potenzial vergibt "Halbe Brüder" aber durch das Übergewicht eines allzu kindischen, albernen Humors, der in Witzen über Verdauungsstörungen und Schwule, in Zwangs-Waxing von Roberto Blanco und einem Schlusslied mit dem Refrain "Mama war ne Schlampe" gipfelt und einige gute Gag-Ideen in den Hintergrund drängt.

Wer nicht gerade ein Fan dieser Art von Unterhaltung ist, hebt eher nur zur Abwechslung ab und zu die Mundwinkel im eingeschlafenen Gesicht, vor allem auch, weil "Halbe Brüder" mit fast zwei Stunden Laufzeit schier endlos ist: Eine kreativere Inszenierung und Straffung der Handlung hätten dem Film gutgetan.

Ab Fr in den Kinos


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