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Politik | Juliane Fischer | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Verteidigung der Freiheit

Die westlichen Grundwerte sind bedroht, doch vom Imperativ der politischen Korrektheit gelähmt, respektieren viele, was sie mit guten Argumenten als irrational, unmoralisch oder gar unmenschlich kritisieren sollten. Ein klassisches Eigentor, meint Carlo Strenger, Professor für Philosophie und Psychologie an der Universität Tel Aviv, der auch in der Terrorismusforschung arbeitet. Eine zusätzliche Gefahr sieht er in der Instrumentalisierung der Situation durch Rechtspopulisten. Wie sollen wir darauf reagieren? Mit einer zivilisierten Verachtung, meint Strenger, ohne zu hassen oder zu dehumanisieren. Gemäß dem Toleranzprinzip der Aufklärung soll das Individuum geschützt werden, nicht der Glaube. Dazu braucht es verantwortliche Meinungsbildung sowie die Kompetenz, mit Kränkungen umgehen zu können.

Carlos Strenger: Zivilisierte Verachtung. Suhrkamp, 104 S., € 10,30

Die öffentliche Fieberkurve

Skandale sind Reizpunkte der Mediengesellschaft. Der Preis der Aufmerksamkeit wird mit inflationärer Abstumpfung und immer höher gepeitschter Erregung bezahlt. "Für Differenzierungen bleibt da kein Platz", schreibt Ludwig Greven über das moralische Fallbeil, hält sich aber selbst auch unwissenschaftlich an der Oberfläche und erzählt genau diese Beispiele wieder nach: Wulff, Hoeneß, Guttenberg und Kohl. Eine fundierte Analyse bleibt er dabei schuldig. Wie sich die Empörungswelle durch die Digitalisierung - Stichwort Shitstorm - ändert, wird nur einleitend gestreift. Anders als der Untertitel suggeriert, erfährt man auch wenig Fundiertes über die Reaktion der Öffentlichkeit.

Ludwig Greven: Die Skandal-Republik. Edition Lingen Stiftung, 171 S., € 13,40


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