Buch der Stunde

Ein unsteter Stifter aus Amerika

Feuilleton | Leopold Federmair | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Unerschöpflich sind diese Bücher. Wie ich sie aufblättere, ist es mir beinahe unbegreiflich, zu denken, daß sie wirklich unter den Deutschen noch fast unbekannt sein sollen." Diese Sätze schrieb Hugo von Hofmannsthal nach dem Tod von Lafcadio Hearn (1850-1904), und sie sind mehr als hundert Jahre später zu wiederholen. Eine Zeitlang, vor dem Ersten Weltkrieg, wurde Hofmannsthals Stimme gehört, in Deutschland veröffentlichte man Hearns Schriften aus und über Japan in sechs Bänden. In Japan verbrachte der 1850 in Griechenland geborene Autor seine letzten 14 Lebensjahre.

Hearn war ein Unsteter, zwangsweise und aus freier Entscheidung. Er betätigte sich in vielen Berufen, schrieb in diversen Genres und übersetzte aus dem Französischen ins Englische, das seine Vatersprache war. Auf einen Nenner bringen lässt er sich kaum. An dieser Schwierigkeit liegt es wahrscheinlich auch, dass er nie den festen Platz in der angelsächsischen Literaturgeschichte erhielt, der ihm gebühren würde.


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