Tiere

Briefkasten

Peter Iwaniewicz meint, dass das Prinzip der Autospiegelhersteller "Things may appear closer than they are" auch für Tiere gilt

Falters Zoo | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015


Leseranfragen sind eine besondere mediale Form, in der sich hingebungsvolle Liebe, Mordlust und Streben nach unnützem Wissen aufs Feinste verbinden. Gemeinsam ist allen Zuschriften der Wunsch, sich mit jemand anderem über eine Begegnung mit einem Tier auszutauschen. Manchmal kann ich nur stumm kondolieren: „Wir haben vor einigen Wochen ein Gartenhaus mit einem Schindeldach gebaut. Unsere Nachbarn haben ebenfalls Gartenhäuser, aber unser Haus ist das Einzige, das am Dach von Vögeln beschissen wird. Wir sind absolute Tierfreunde, aber dass die Vögel ausgerechnet auf uns scheißen müssen, verstehe ich nicht!“

In anderen Fällen rinnen mir leise Tränen der Ergriffenheit über meine leserbriefgegerbten Wangen: „In meinem Badezimmer leben zwei Zitterspinnen. Einmal habe ich beobachtet, wie die eine zur andern hintastete, worauf diese heftige Abwehrbewegungen machte und das Männchen (?) vertrieb. Was kann ich tun, damit sich die beiden doch noch finden?“ Wohl wahr, diese Liebe hängt an einem seidenen Faden.

Dann gibt es aber auch seltsame und beunruhigende Fragen. „Meine Kinder kümmern sich nicht mehr um ihr Meerschweinchen. Ich will es nicht einfach ins Tierheim geben, sondern fände es pädagogischer, wenn es eine ökologischere Lösung gäbe. Brauchen Zoos diese Nager vielleicht als Futtertiere?“

Tiergärten scheinen für die städtische Bevölkerung auch eine Art Ressource für Notfälle darzustellen: „Wissen Sie, wie lange man sich im Fall einer Apokalypse von den Tieren in einem Zoo ernähren könnte? Und woran erkennt man die giftigen beziehungsweise ungenießbaren?“ In diesem Fall war meine Empfehlung, zuerst den botanischen Garten und das Palmenhaus für Zwecke der Ernährung zu plündern.

Unbeantwortet ließ ich dieses Mail: „Wenn ich meinen Nachbarn auf raffinierte Weise töten will, welches stechende Insekt wäre dazu am besten geeignet? Und wie viele Exemplare sind dafür notwendig?“

Manchmal will man tierisches Gift auch nur zur Entspannung einsetzen: „Ich habe gehört, dass Stiche von Skorpionen eine drogenartige Wirkung verursachen. Welche Art wäre dazu am besten geeignet und wo bekommt man diese?“ Es haben zwar nur etwa 20 von mehr als 1400 Arten einen für Menschen tödlichen Stich, aber bei Drogenexperimenten jeder Art empfiehlt es sich, die giftigen Teile zu trocknen und dann zu rauchen. Noch Fragen?


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