Menschen

3 eggs, 1 cup

Falters Zoo | Lukas Matzinger, Karin Wasner | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Filmpremieren sind in Österreich selten besonders glanzvoll. Irgendwie fehlen dazu die richtigen Stars. Bei der Uraufführung von Antonin Svobodas "Drei Eier im Glas" mit Dirk Stermann, Christoph Grissemann und Heinz Strunk in den Hauptrollen war das anders. Am 7. April im Gartenbaukino hielt sich nur die Crème de la Crème des österreichischen Unterhaltungswesens die Schwingtüren auf - und das ist nicht mal sarkastisch gemeint. Neben den ORF-Veteranen Ster -und Grissemann kamen Matt hias Euler-Roller, Kulturminister Josef Ostermayer, der lustige Gerald Votava und sein guter Freund Michael Stockinger, der sich Ostrowski nennt. Der Film als solcher ist absurd-witziger Blödsinn - aber wenn Darsteller und Regisseur im Saal sitzen, lacht man immer ein bisschen mehr.

Montag Abend im WUK: Bärte, Karohemden, schwere Stiefel. Die Äxte wurden dankbarerweise im kanadischen Wald stehen gelassen. In seiner Heimat Vancouver geigt der Singer-Songwriter Dan Mangan schon mal vor 20.000 Menschen auf, im WUK war der Rahmen dann doch etwas familiärer. Völlig egal, volle Power. Und: neuer Name, neuer Sound. Die vier Mannen, die Mangan seit der im Jänner erschienenen Platte "Club Meds" um sich scharrt, bescheren ihm den Zusatz "+ Blacksmith" und markieren das Ende vom beschwingten Wohlfühlfolk. Mitsing- und Summromantik vom "knuffi gen Teddybär" (O-Ton der Damen in der ersten Reihe) gab es nur noch bei den One-more-song-Hits "Robots" und "Sold". Schwerer und elektronischer aber genauso energetisch war der neue Dan, und uns gefällt das.

Wenn Anna Netrebko singt, gefriert einem das Blut in den Adern. Am 10. April hat die Wiener Staatsoper Gaetano Donizettis "Anna Bolena" mit Netrebko in der Titelrolle wieder aufgenommen. Und die Sopranistin strahlt wie selten zuvor. In der Inszenierung von Eric Génovèse singt sie alle an die Wand und die Hörerschaft ganz tief in die ungemütliche Opernmöblierung. Die strenge Netrebko, über deren Liebesleben so gerne berichtet wird, über ihre politische Rolle und ihr Körpergewicht, über ihr soziales Engagement und ihren Freundeskreis, ist eine unglaublich komplette und wunderschön anzuhörende Opernsängerin. Man neigt dazu, das zu vergessen.

Und noch was vergisst man manchmal: Charity-Events sind wichtig. Auch wenn sie Namen wie "Dancer Against Cancer" tragen und Promis wie Natascha Ochsenknecht, Andy Lee Lang, Julian Winkler, Norbert Oberhauser anziehen und diese dann peinliche Tanzchoreografien zum Besten geben, irgendwelche belanglosen Stehsätze in die Kamera hecheln und Alfons Haider mit einer "reizenden Dame an seiner Seite" durch den Abend führt und dann in den Zeitungen die Stylings und Roben der weiblichen Besucherinnen abgecheckt werden und Julian Stöckl Sätze wie "Ich mach mich gerne zum Affen, also ständig" raushaut. Charity-Events sind wichtig. Die Krebshilfe verdankt dem "Dancer Against Cancer"-Ball immerhin fast 500.000 Euro Geldspenden in den vergangenen acht Jahren.

Gerhard Rühm hat die deutsche Sprache durchgespielt. Er hat als Sprachkünstler das "neue Hörspiel" salonfähig gemacht, hat als Komponist beim Zwölftontheoretiker Josef Matthias Hauer gelernt, als Schriftsteller die "Wiener Gruppe" mitbegründet, war in seinem Schaffen crossmedial, bevor Medientheoretiker den Begriff zu denken wagten, und hat als letztlich Universalgelehrter Preise und Ehrenmedaillen gewonnen, die Räume füllen würden. Am Montag hat er in der Alten Schmiede gelesen. Groß.


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