Essays, Vorlesungen, Verstreutes

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Feuilleton | SF | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Autoren, die die Öffentlichkeit ständig mit ihrer Meinung behelligen, sind schon lang Auslaufmodelle. Mittlerweile ist aber auch der unpolitische Schriftsteller fast wieder aus der Mode gekommen und immer öfter wird gefragt, wo die Autoren, die sich für etwas starkmachen, geblieben sind. Zu diesen gehört Eva Menasse. Die seit Längerem in Berlin lebende Wienerin findet es "weder uncool noch anmaßend, sich als von Beruf schreibender Mensch gelegentlich an öffentlichen Debatten zu beteiligen".

Der Titel ihres Essaybandes ist nur insofern etwas verfehlt, als Aufregung Menasses Sache eigentlich nicht ist. Sie vertritt ihre Standpunkte - etwa zur Präimplantationsdiagnostik oder über das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern - mit Nachdruck, gut argumentiert, reflektiert, mitunter auch mit leiser Selbstironie. Außerdem verrät sie in dem Buch, wie aus der Profil-Redakteurin Eva Menasse eine Schriftstellerin wurde.

Eva Menasse: Lieber aufgeregt als abgeklärt. Essays. Kiepenheuer & Witsch, 249 S., € 19,60

In seinen Frankfurter Poetik-Vorlesungen hat sich Daniel Kehlmann mit Autoren auseinandergesetzt, die ihm den Weg zum Schreiben gewiesen haben, weil sie ihn als jungen Leser begeisterten. Dazu zählt der heute kaum noch gelesene Schweizer Schriftsteller und Pfarrer Jeremias Gotthelf mit seiner unheimlichen Novelle "Die schwarze Spinne" ("das schwärzeste Stück schwarzer Romantik"), Grimmelshausens "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch" sowie der mit fantastischen Elementen spielende Autor Leo Perutz ("neben Thomas Mann der Schriftsteller, der mich am stärksten geprägt hat").

Kehlmann nimmt sich Zeit und liefert eingehende Lektüren. Was er großteils schuldig bleibt, sind Erkenntnisse, die sich aus seinen favorisierten Texten über sein eigenes Schreiben und seine Poetologie ziehen ließen. Und die Herabwürdigung von Peter Alexander lässt leider jeden Sinn für Humor vermissen.

Daniel Kehlmann: Kommt, Geister. Frankfurter Vorlesungen. Rowohlt, 175 S., € 20,60


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