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Haben Rassisten Ihre Ortstafel gestohlen, Herr Horvath?

Politik | Interview: Nina Brnada | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Im Gegensatz zu Kärnten gab es im Burgenland nie Probleme wegen zweisprachiger Ortstafeln. Laut Bundeskanzleramt stehen dort 60 Ortstafeln mit kroatischen Bezeichnungen und fünf mit ungarischen. Einer dieser Orte ist Unterwart, auf Ungarisch Alsóőr, eine Gemeinde im Südburgenland mit 910 Einwohnern. Nun wurde dort eine zweisprachige Ortstafel gestohlen -es war die fünfte in etwas mehr als einem Jahr. ÖVP-Bürgermeister Josef Horvath hält alles für einen schlechten Scherz.

Herr Horvath, wann wurde die erste zweisprachige Ortstafel gestohlen?

Vergangenes Jahr in der letzten Faschingswoche. Wir alle dachten damals, das sei ein Faschingsscherz, doch dann verschwanden im selben Jahr gleich zwei weitere. Und heuer dann wieder zwei. Aber nicht nur in Unterwart, auch in Oberwart ist vergangenen September eine zweisprachige Ortstafel verschwunden.

Vermuten Sie rassistische Motive?

Kriminalpolizei und Verfassungsschutz ermitteln zu den Vorfällen in Unterwart, aber wir im Ort können uns nicht vorstellen, dass jemanden der Namen Alsóőr stört. Unterwart war ursprünglich zur Gänze ungarischsprachig, erst mit Zuzug und Heirat kamen auch mehr Deutschsprachige dazu. Meine Mutter etwa war deutschsprachig und aus Loipersdorf, mein Vater ein ungarischsprachiger Unterwarter. Ich selbst bin zweisprachig aufgewachsen, genauso wie meine Töchter. Kindergarten und Volksschule in Unterwart si nd bilingual, unser Ort hat etwa 20 Vereine und 50 Veranstaltungen im Jahr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand etwas gegen dieses gute Zusammenleben haben könnte.

Gibt es Hinweise auf die Diebe?

Wir haben keine Ahnung, wer es gewesen sein könnte. Aber der Dieb oder die Diebe sind immer gleich vorgegangen, sie haben die Tafeln wohl mit einem Schraubenschlüssel herausgelöst.


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