Das Spiel geht weiter

Die Stadt Wien hat das kleine Glücksspiel verboten. Doch die Industrie lockt weiter in ihre Lokale: Die Sportwette wird zur Ersatzdroge der Spielsüchtigen. Wie lange noch?


Wettenbericht: Lukas Matzinger

Stadtleben | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Veli sitzt mit dem Rücken zum Fernseher und zerreißt seine Wettscheine. Knöchelhoch liegen die kleinen weißen Quittungen schon auf dem Boden. Er tippt auf den Wettautomaten, vor dem er seit Stunden sitzt, und flucht leise. Alle paar Minuten gibt er eine Wette ab. Er setzt darauf, dass sich bei Huancayo gegen Ayacucho im peruanischen Inca-Fußballcup die Ersteren durchsetzen und die U23 von Oman gegen die des Irak das nächste Tor schießt.

Das Wettpunkt-Lokal am Favoritener Quellenplatz ist heute gut besucht. Auf dem größten Bildschirm läuft Österreich gegen Bosnien – ein gutes Fußballspiel vor überragender Kulisse im Praterstadion. Veli ist mit 55 einer der Älteren hier. Er schaut auf seinen Automaten und gibt Live-Wetten auf Spiele am anderen Ende der Welt ab. Nur wenn ein Tor fällt, dreht er sich um. „Die Roten sind Österreich?“ Veli scheint kein Sportexperte zu sein.

Seit 1. Jänner ist das kleine Glücksspiel in Wien verboten. Die Automaten, die einem um 50 Cent bis fünf Euro Fruchtsymbole in die Gewinnlinien drehen konnte, sind aus den Lokalen verschwunden. Der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot inzwischen bestätigt und die Klage des Glücksspielkonzerns Novomatic abgewiesen.

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