Kommentar Teure Schule

Sprachreise nach London - oder doch nur in die Lugner City?

Falter & Meinung | Nina Horaczek | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Es steht im Gesetz, dass öffentliche Schulen kein Schulgeld verlangen dürfen. Zahlen müssen Eltern trotzdem: Kopiergeld, Spindmieten oder sogar für das Nachfüllen von Seifenspendern. Durchschnittlich 319 Euro zahlen Eltern für jedes Wiener Schulkind pro Jahr, wie eine Umfrage des Verbands der Elternvereine ergab.

Kommen dann noch Exkursionen, Sprachreisen, Skiwochen oder die verpflichtende Anschaffung von Laptops für den Nachwuchs dazu, muss eine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern sogar mit etwa 3000 Euro Zusatzkosten pro Jahr rechnen.

Nicht an allen Wiener Schulen gibt es etwas zu holen. In ärmeren Stadtteilen kämpfen Eltern schon damit, etwas für die Klassenkasse beizusteuern und regelmäßig Fahrscheine für Ausflüge zu kaufen. Dort werden eben weniger tolle Exkursionen angeboten, die den kindlichen Horizont erweitern, und eine Klassenreise ist unfinanzierbar.

In den reicheren Vierteln der Stadt zucken die meisten Eltern hingegen nicht einmal mit der Wimper, wenn drei-oder gar vierstellige Beträge für Wildniswochen, Jonglierworkshops oder einen Sprachtrip nach London eingehoben werden. Wer nicht mithalten kann, muss zum Elternverein pilgern und um einen finanziellen Zuschuss bitten. Doch gerade in ärmeren Schulen hat auch der Elternverein wenig Geld und kann kaum helfen.

Eine gesetzlich festgelegte Obergrenze, was Eltern für ihre Schulkinder höchstens bezahlen müssen, würde helfen, diese Unterschiede zu vermindern. Sprachferien und tolle Exkursionen gingen sich trotzdem aus, für reiche und arme Schülerinnen und Schüler. Denn Geld ist im Schulwesen genug vorhanden. Nur kommt zu wenig davon bei den Kindern an.


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