Der kleine Max gegen den großen Kraken

Wird das Wiener Landesgericht Internetgeschichte schreiben? Über den Prozess "Max Schrems vs. Facebook"


Gerichtsbericht: Benedikt Narodoslawsky
Medien | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015


Illustration: Jochen Schievink

Illustration: Jochen Schievink

Die Kameraleute leuchten ihm frontal ins Gesicht, aber Max Schrems, 27, tut so, als ob ihn das alles nichts anginge. Kapuzenjacke, Lederumhängetasche, Hände in der Hose vergraben, Blick abgewandt. Forschend beobachten die Filmer jede seiner Bewegungen, als ob vor ihnen gerade ein Außerirdischer aus seiner Raumkapsel gestiegen wäre.

Irgendwann reicht es dem Jus-Doktoranden. „Fragen wir mal so: Mit was kann ich euch alle denn glücklich machen, bildlich?“, fragt Schrems, „Oder schweigen mich alle nur an?“ Antworten auf Fragen zum Fall gebe er erst nach der Verhandlung, das hat Schrems schon zuvor klargestellt. Auch der gegnerische Facebook-Anwalt Nikolaus Pitkowitz, der sich durch die Journalistenmenge schlängelt, sagt bloß: „Wir werden im Gerichtssaal kommunizieren.“

Die Medien gieren nach Bildern, weil es ein außergewöhnlicher Prozess ist. Er könnte mehr als eine Milliarde Menschen betreffen. Auch wenn voraussehbar ist, dass an diesem Donnerstag keine Entscheidung fallen wird, sind sie alle nach Wien in den Justizpalast gekommen: die französische Nachrichtenagentur AFP, die internationale Agentur Reuters, die Journalisten aus Deutschland. Niemand wollte Tag eins, den Auftakt zum Duell, verpassen. Max gegen Facebook, Bürger gegen Internetgigant. Es geht um Geld. Aber vor allem geht es Schrems darum, dem blauen Datenkraken auf die Tentakel zu klopfen.

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