Das Theater t'eig macht Hamlet. Frei nach Shakespeare oder Schrödinger. Kann das klappen?

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Hamlet ist heute ein ikonografisches Motiv für das Drama an sich, genauer: das Bild des Dänenprinzen, der den Totenschädel seines Narren hält. Wer Hamlet gibt, begibt sich in ein Referenzsystem, das längst zum dichtesten Dickicht der Kulturgeschichte gehört. Und genau da ist die Gruppe t'eig ganz bei sich. Für ihren "h'amlet" tritt sie folgerichtig die Flucht nach vorne an und stülpt dem Hamlet-Universum noch einmal zwölf poetisch-theoretische Positionen über: Texte bekannter Schreibender wie Sonja Harter, Mike Markart, Ildikó Noémi Nagy & László Garaczi, Wolfgang Pollanz, Sophie Reyer und Christian Winkler. Aber auch zwei Schüler, eine Ärztin, ein Diakon und ein Richter haben ihre Gedanken beigesteuert.

Das Multiversum, das so wächst, wird außerdem beim Wort genommen und mit einer t'eig-Produktion aus dem Jahr 2012 verlinkt, wo das Team um Thomas Sobotka sich dem Filmklassiker "Zurück in die Zukunft" näherte ("Multiverse"). Wie damals ist der Regisseur selbst unter den Darstellern, was deutlich macht, dass es dieser Inszenierung kaum um dramatische Qualität im herkömmlichen Sinne geht - viel eher um ein gutes Spiel mit schlechtem Geschmack, um kreatives Wühlen in der Müllhalde genialer Momente. Der Chor in diesem Trash-Theater tritt als flottes Vokalensemble (Hell-Sing-Chor) auf, das Hits wie "Ham Let It Be" vorträgt, Christoph Marthaler spielt ebenso mit wie Schrödingers Katze und das Theater im Bahnhof. Markus Boxlers Ausstattung dekliniert sich dabei durch den Fundus des Regietheaters. Einen Jux wolln sie sich machen? Ja klar - und das klappt hervorragend!

Literaturhaus, Graz, Fr-Mo 20.00 (bis 27.4.)


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