Das Verhältnis von Mensch und Ding bleibt kompliziert. "DIDING" im Künstlerhaus Graz

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Auf nicht ganz unanstrengende Art und Weise anspielungsreich ist schon der Titel der Ausstellung. "DI-DING" ist sowohl die Abkürzung für "digitales Ding" als auch Signum jener Verunschärfung, welche im Digitalisieren diverser Dingwelten immer noch vermutet werden darf. Zumindest, wenn man der von Kurator Sandro Droschl getroffenen Grundannahme folgt, dass das digitale Material "nicht nur in gegenwärtige Bildwelten, sondern in die uns umgebende Materialität der 'Dinge' an sich" eingreift.

Früher war das Verhältnis von Mensch und Ding schon industriell verkompliziert, als "Entäußerung" oder "Entfremdung" von Mensch und Ding benannt und dessen Ursache in der kapitalistischen Umcodierung der Dinge zu Waren dingfest gemacht. Nicht weit davon entfernt spricht die Kunsthistorikerin Kerstin Stakemaier heute von einem neuen Subjekt-Objekt-Verhältnis, bei dem die Objekte "zum Symptom einer 'disconnectedness' des Körpers in der gegenwärtigen kapitalistischen Krise" würden. Als hätte die in ihrer konsumorientierten Fetischisierung gelegene Fragmentierung der Dinge nun auf den Menschen selbst übergegriffen.

Dementsprechend erzählen die ausgestellten Arbeiten nicht vom vermeintlichen Fortschritt, den der Wechsel von analog zu digital mit sich gebracht hätte. Sie liefern keine Apotheosen auf Pixel und Screens, weshalb die Ausstellung auch mit überraschend wenig Monitoren und Projektionen auskommt. Wenn sich die präsentierten internationalen Positionen an der Virtualität von Dingund Menschenbild abarbeiten, dann eher in dystopischer Manier.

Künstlerhaus, Graz, bis 31.5.


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