Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Malzkaffee

Getreidekaffee im eleganten Design passt sich dem Gaumen an

Stadtleben | MS | aus FALTER 16/15 vom 15.04.2015

Zigaretten ohne Nikotin, Bier ohne Alkohol und Kaffee ohne Koffein - den Hedonisten und dionysisch veranlagten Menschen stellt es bei dieser Vorstellung die Nackenhaare einzeln auf. Hierorts geht es aber nicht um den koffeinfreien Bohnenkaffee, sondern um Getreidekaffee, auch Malzkaffee genannt. Das Wort könnte augenblickliches Lidzucken bei jenen verursachen, die in den Kriegs-und Nachkriegsjahren damit allmorgendlich den Tag beginnen mussten. Aber es gibt ja auch Menschen, die auf Koffein empfindlich reagieren und beim Wort "Tee" stante pede einen Schwächeanfall erleiden. Aus diesen Gruppen könnte sich eine schmale Schnittmenge ergeben, auf die der M-Kaffee eine magische Anziehungskraft ausübt. Die Firma Demeter hat sich alle Mühe gegeben, um bei dieser gesellschaftlichen Minderheit gut anzukommen. Im eleganten schwarzen Outfit kommt der alubeschichtete Papierzylinder daher, mit einem an den knallgelben Pirol erinnernden Vogel auf der Front, der aber in unserem Fall doch mit einem roten Federbuschen ausgestattet ist.

Mount Hagen, Landkaffee, das alles klingt noch sehr unverdächtig. Doch dann steht da das Wortungetüm "Kaffee-Surrogat-Extrakt" geschrieben, und weiter: Roggen, Malz, Gerste, Zichorie aus biologisch-dynamischem Anbau. Und genau so zahm und korrekt, wie das hier steht, schmeckt dieses engagierte und aromatisierte Heißgetränk auch. Es passt sich dem geruhsamen Gaumen an, sobald man den Schalter im Kopf umgelegt hat. Aber, will man das denn?


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