Stadt im Ringstraßentaumel: Die Ausstellungen der Wiener Museen

Feuilleton | SP | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Zum 150. Jubiläum der Ringstraße planen nahezu alle Kulturinstitutionen Schwerpunktveranstaltungen zu Ehren des großen Stadterweiterungsprojekts.

Die größte Ausstellung eröffnet am 11. Juni im Wien Museum unter dem Titel "Pionierjahre einer Prachtstraße". Kurator Andreas Nierhaus nimmt die Planungsphase des Rings unter die Lupe und zeigt Pläne, Modelle und Fotos, die bisher in der Öffentlichkeit noch nicht zu sehen waren. Nierhaus, ein Experte für Architektur und bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, spannt den Bogen in die Gegenwart und fragt, was die Ringstraße heute ist und sein kann - nur ein historistisches Disneyland oder weiterhin ein Ort der Stadtentwicklung.

Viele Bauherren an der Ringstraße waren jüdische Unternehmer oder Bankiers und trugen maßgeblich zum kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt bei. Das Jüdische Museum widmet sich in seiner Ausstellung "Der Ring - Ein jüdischer Boulevard" aber nicht nur ihnen, sondern auch jenen Juden, die in den Armenvierteln täglich ums Überleben kämpfen mussten. Zentral ist außerdem der immer stärker werdende Antisemitismus im 19. Jahrhundert, unter dem die jüdischen Wienerinnen und Wiener zu leiden hatten. Zudem werden Leihgaben der Familie Ephrussi zu sehen sein, deren Familiengeschichte durch das Buch "Der Hase mit den Bernsteinaugen" berühmt wurde. Die Ausstellung läuft noch bis 4. Oktober.

Um einen ganz anderen Aspekt geht es in der Schau "Die Ringstraße des Proletariats. Ein Gegenentwurf" im Waschsalon Nr. 2 des Karl-Marx-Hofs. Die Arbeiter, die unter katastrophalen Umständen für den neuen Prunk schufteten, forderten bessere Wohnmöglichkeiten ein. Die Stadt Wien ließ ab 1919 Gemeindebauten mit 65.000 Wohnungen errichten (ab 21.5.).

Insgesamt 29 Sendungen über die Ringstraße werden auf dem ORF-Kultursender Ö1 zu hören sein, ab 25. April.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige