Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Heino sitzt mit Dieter Bohlen auf einem Swimmingpool und begutachtet Gesangskandidaten. Eine transparente Plexiglasscheibe bewahrt in der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) die Showteilnehmer davor, ins Becken zu fallen. Sänger und Jury scheinen über das Wasser zu gehen. Tiefblau leuchtet im Hintergrund das tropische Meer.

Als hätte ein Surrealist Regie geführt, lässt DSDS scheinbar unvereinbare Elemente miteinander kollidieren. Heino, der greise Gefreite der Schlagerarmee von Nachkriegsdeutschland, trifft auf Synthie-Veteran Dieter Bohlen, dessen Band Modern Talking einst klang wie der Störfall einer Großraumdisko. Welch dämonischer Drehbuchschreiber hatte die Idee, die beiden Blondies vor einer Kulisse paradiesischer Unschuld antreten zu lassen - als Trashversion des biblischen Sündenfalls. DSDS ist wie ein TV-gewordener LSD-Trip, in dem der Himmel die Hölle berührt.


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