Film Neu im Kino

Betonbunkerthrill mit Boss, Bub & Robot: "Ex Machina"

Lexikon | Dr. Robnik | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Der Turing-Test, benannt nach dem jüngst in ,,Imitation Game" verkitschten Computerpionier, geht zirka so: Kann ich unterscheiden, ob die Intelligenz, die am anderen Ende einer Leitung mit mir kommuniziert, menschlich oder künstlich ist? So weit, so gewohnt aus der Cyborg-SciFi.

Der britische Kammerspiel-Psychothriller "Ex Machina" macht es kompliziert, weil offensichtlich: Ein junger Programmierer wird von einem Software-Mogul und K.I.-Genie zu sich ins abgeschiedene Luxuslabor beordert. Er soll testen, wie seine Dialogpartnerin hinter der Glasscheibe programmüberschreitende Kreativallüren, sprich: menschliche Intelligenz, manifestiert. Sie ist - gut - gebaut, halb junge Frau, halb Robot mit Glasfaserskelett. Was lässt sie human wirken? Zwischen Sichtbeton und Totaldurchsicht zielt das Setting explizit auf Projektion. Ergo liegt der Über(raschungs) schmäh woanders: zunächst da, wo der Test auf den Tester zurückfällt, auch auf den testosterongetriebenen Chef - und auf uns, die wir zusehen, zuhören, goutieren. Dass wir das gebannt tun, dafür sorgt die Präzision in Bild und Bauten, im Ambient-Score und im Spiel des Mini-Ensembles: Domhnall Gleeson und Alicia Vikander testen einander, Oscar Isaac ist als Chef undurchsichtig.

Alex Garland, als Scriptautor von "28 Days Later" und "Never Let Me Go" mit Nonhumans in Soziallabors vertraut, variiert in seinem Regiedebüt gekonnt (mitunter zu redselig) das Motiv der seduktiven Maschinenfrau, die auf der Klaviatur des maskulinen Masochismus spielt. Die gewitzteste Wendung aber ist, wie der Film Reize und Habitus einer anderen sozialtechnisch-künstlichen Humanität ausstellt, nämlich der Powerburschenmännlichkeit: das Keimen einer Ritter-Retter-Phantasie im sanften Nerd, seine Umgarnung durch den obszön schönen Boss, ganz Dance-Dude und Buddy-Charme-Programm mit Vollbart und Leichtbier.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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