Kunst Kritik

Wohnproteste: Von Squatting zum Lindy Hop

Lexikon | NS | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Es ist das höchste besetzte Haus der Welt: Die 45-stöckige Investitionsruine mitten in Caracas, die eine Großbank beherbergen sollte und stattdessen von rund 3000 illegale Bewohner besiedelt wurde, war schon Thema zahlreicher Berichte. Die Berliner Filmemacherin cylixe hat mit etlichen der Hausbesitzern gesprochen und daraus ihren Kurzfilm "Eine Stadt in einer Stadt" gestaltet, der jetzt in der Ausstellung "Life's Finest Values" zu sehen ist. Die Schau zeigt Videoarbeiten zum Thema Wohnbau und Gentrifizierung. Die Screens sind auf niedrigen Baugerüsten positioniert, was nicht gerade einladend wirkt. Zudem heißt es viel Zeit mitbringen, denn die meisten der zwölf Filme haben dokumentarischen Charakter und dauern im Schnitt eine halbe Stunde. Die Ausstellung wird besonders durch die vielen internationalen Schauplätze interessant, zu denen die Beiträge führen.

Die Künstlerin Ina Wudtke hat die Schau gemeinsam mit Florian Wüst kuratiert und liefert auch einen der charmantesten Beiträge. In "Swing Lesson" studiert eine Tänzerin mit Publikum Figuren aus dem Tanzstil Lindy Hop ein. Als Basis dafür dient ein Song der Künstlerin, in dem sie schlechte Wohnbedingungen schildert. Schließlich war der Swing oft politisch: Zunächst ein Vergnügen der US-Unterschichten, war die "Swing-Jugend" später den Nazis ein Dorn im Auge. Oliver Ressler geht in "The Plundering" den massiven Privatisierungen in Tiflis nach, wo der Verkauf der Nationalen Wissenschaftsbibliothek gerade noch verhindert werden konnte. Der Film "Microbrigadas" geht den Baugruppen in Kuba nach, Castros revolutionäre Antwort auf die Wohnungsnot der Insel, die bis heute aktiv sind. Unter die Haut geht Jan Peter Hammers mit Schauspielern inszenierte Talkshow "The Anarchist Banker", die die Diktatur des Kapitals vorführt.

Kunsthalle Exnergasse, bis 30.5.


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