Ohren auf Die Brüder Ottensamer

Österreichischungarisches Spielen & Tanzen

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Wer in Wien Klarinette sagt, muss auch Ottensamer sagen; Vater Ernst und sein Sohn Daniel sind beide Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker. Aber auch in Berlin wird die Klarinette im wienerischen Tonfall geblasen: Seit 2011 bespielt Daniels jüngerer Bruder Andreas die Soloposition der Berliner Philharmoniker. Jetzt sind neue Solo-Alben der Ottensamer-Brüder erschienen.

"Mein Wien" (Sony) heißt es bei Daniel Ottensamer. Der Name ist Programm. Zu hören sind Arrangements berühmter Melodien wie Schuberts "Ständchen" oder die Variationen "Là ci darem la mano", in denen Beethoven Mozarts populäre Arie aus "Don Giovanni" verarbeitete. Von Mozart stammt auch die einzige Originalkomposition des Albums: das Konzert in A-Dur zählt zu seinen schönsten überhaupt und gilt als die Krönung der Literatur für Klarinette und Orchester. Danach kann heiter weitergeschunkelt werden, zu Wiener Tanzmusik von Strauss und Lanner.

Das Tanzfieber hat offenbar auch Andreas Ottensamer gepackt: "Brahms - The Hungarian Connection" (DG) ist eine Art magyarisches Medley, von Brahms' "Ungarischen Tänzen" und Walzern bis zu Tanzliedern aus Transsylvanien, furiose Folklore und ein Schuss Melancholie inklusive. Auch Andreas Ottensamer ließ es sich nicht nehmen, mit einem großen Stück Klarinettenliteratur zu brillieren. Es gelingt ihm mit Brahms' wehmütig-schönem Klarinettenquintett op. 115.

Brahms' Faible für das exotische Temperament der ungarischen Volksmusik hat sich einst auch in seinen "Zigeunerliedern" niedergeschlagen. Der Norddeutsche Figuralchor hat sie nun gemeinsam mit dem Pianisten Markus Bellheim unter dem Titel "Weltliche Vokal-Quartette mit Klavier" (mdg) eingespielt. Umrahmt werden die Miniaturen von den Vokalquartetten - hinreißende Musik, die mit ihren bittersüßen Melodien schon zu Brahms' Lebzeiten zum Hit avancierte.


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