Der Boulevard der Sandler

Kaiser Franz Joseph weihte vor 150 Jahren die Wiener Ringstraße ein. Der Ziegel ist die kleinste Einheit der Ringstraße - und symbolisiert ihre schmutzige Kehrseite


Reportage: Stefanie Panzenböck
Feuilleton | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015


Schweiß und Tränen: Arbeiter und Arbeiterinnen im Ziegelwerk Hennersdorf. Die Aufnahme entstand nach dem Bau der Ringstraße im Jahr 1913 (Foto: Ziegelmuseum)

Schweiß und Tränen: Arbeiter und Arbeiterinnen im Ziegelwerk Hennersdorf. Die Aufnahme entstand nach dem Bau der Ringstraße im Jahr 1913 (Foto: Ziegelmuseum)

Er ist 29 Zentimeter lang, 14 Zentimeter breit, 6,5 Zentimeter hoch und vier Kilo schwer. Der Ziegel ist das Maß der Wiener Ringstraße. Er ist die kleinste Einheit des Boulevards, der normale Wiener Ziegel, milliardenfach fügte er sich zu Palästen, Museen und dem Parlament zusammen.

Am 1. Mai 1865 eröffnete Kaiser Franz Joseph die Wiener Ringstraße und ließ sich von der Kutsche aus das damals noch nicht vollendete Stadterweiterungsprojekt zeigen. Der Opernring, der Kärntner und der Schubertring waren fertig, die Gebäude am Schwarzenbergplatz noch in Bau. „Aus allen Fenstern grüßten Fahnen aller Farben“, schrieb die Neue Freie Presse. Der Kaiser und der Wiener Bürgermeister übten sich in enthusiastischen Danksagungen an den jeweils anderen.

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