Theater Kritik

Dick und Doof im Burgtheater

Lexikon | SS | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Den Filmriss gab es Mitte des 19. Jahrhunderts schon, da hat es den Film noch gar nicht gegeben. Eugène Labiches Komödie "Die Affäre Rue de Lourcine" (1857) handelt vom berühmten Blackout, nachdem man zu viel gesoffen hat. Am Burgtheater ist das Stück in der Übersetzung und Fassung von Elfriede Jelinek zu sehen.

Nach einer durchzechten Nacht mit ehemaligen Schulkameraden erwacht der reiche Rentier Lenglumé (Nicholas Ofczarek) und erinnert sich an rein gar nichts mehr. Neben ihm im Bett liegt - warum auch immer - Mistingue (Michael Maertens). Auch ihm ist die Erinnerung an die vergangene Nacht komplett verlorengegangen. Als die beiden aus der Zeitung vom grausamen Mord an einer Kohlehändlerin erfahren, sind sie überzeugt davon, dass sie den Mord begangen haben müssen. Alle Indizien sprechen dafür: Ihre Hände sind kohlrabenschwarz.

Barbara Frey inszeniert die moralische Komödie mit Slapstickelementen. Ofczarek und Maertens, denen die weißen fleckigen Hemden aus der Hose hängen, geben ein belämmertes Männerduo ab, das an Laurel und Hardy erinnert. Mit jedem Versuch, sich die Hände reinzuwaschen, mit jedem weiteren Schluck Alkohol reiten sie sich mehr ins Unglück hinein. Ofczarek in Halbglatze lallt sich durch den Abend und schlurft verlangsamt über die rot tapezierte Bühne (Bettina Meyer) mit den vielen Türen, hinter denen sich Berge von Akten und der Alkohol türmen. Im linken Bühneneck stapeln sich die schwarzen Müllsäcke im biederen Haushalt, hier liegt der Dreck der reichen Spießbürger vergraben. Maria Happel gibt sehr komisch Lenglumés eifrige Frau, Markus Meyer spielt den unheimlichen Diener. Dazwischen gibt es kleine nette Singspiele (Musik: Tommy Hojsa). 90 Minuten extrem leichte Unterhaltung mit einer Schlusspointe, die man schon von Anfang an vermutet hat.

Burgtheater, Fr 19.30, So 19.00


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