Stadtrand Urbanismuskolumne

Warten lohnt sich auf keinen Fall

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Mit unserer Lebenszeit sind wir im Allgemeinen ziemlich geizig. Auf den Nachtbus warten? Dann doch lieber mit dem Taxi fahren! Wenn die Minutenanzeige bei der U-Bahn auf zehn springt, zückt man sofort panisch-genervt das Smartphone. Steht man als Vierter in der Warteschlange, ruft man schon ein lautes "Kassa bitte!". Jede in der Bank, beim Arzt, auf dem Amt oder morgens beim Bäcker gewartete Sekunde wird von lautem Seufzen und verzweifeltem Augenrollen begleitet - gepaart mit regelmäßiger Zeitabfrage versteht sich. Wir hassen warten.

Aber es scheint einen Unterschied zwischen gutem und schlechtem Warten zu geben. Dieser dürfte im Objekt der Begierde liegen: Auf hippe Dinge zu warten ist per se ein hipper Akt und macht einen somit auch schon fast zum Hipster. So gesehen zum Beispiel bei den nicht enden wollenden Schlangen vor Eisgreißler, Veganista, Rauch Smoothie-Shop, Pastrami am Brunnenmarkt und Co, in denen sich Menschen mit euphorisch-wissendem Lächeln auf den Gesichtern friedfertig die Beine in die Bäuche stehen. Wär's beim Billa, hieße es "Kassa bitte!"

Birgit Wittstock ist wie alle anderen: Sie wartet nicht gerne. Wenn vermeidbar, auch nicht lange


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