Neubaus neuer Erker

Die R&Bar, ein Lokal, das nicht wirklich in eine Kategorie passt. Das aber sehr gut

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es gab da relativ viele Voreröffnungen und Warming-Partys. Da wurde man neugierig. Am 8. April war man dann fertig – und schon wieder Party. Oder zumindest so was Ähnliches, also irrsinnig viele Leute, die alle blendend aussahen, bester Laune waren und sich zu kennen schienen; mit ohrenbetäubend lauter Musik und persönlicher Begrüßung durch die Gastgeber.

Genau in der Mitte des neuen und pulsierenden Lokals war – wie von Zauberhand beschützt – trotzdem noch ein kleiner Tisch frei. Mit ziemlich gutem Ausblick. Zuerst einmal auf diese Glaswand, die Küche und Lokal voneinander trennt, zusammengesetzt aus unzähligen Buntglas-Scheiben unterschiedlicher Größe, unterschiedlicher Muster, unterschiedlicher Farben; dann auf die tollen Sixties-Sessel, auf das kubistische Beleuchtungsgebilde über mir, auf die aus Terrazzo gegossenen Tischchen und schließlich auf eine überaus elegant geschwungene Bar mit einer kleinen, erhöhten Sitzbank daneben an der Wand. Eine Loge, ein Erker mit Blick übers Lokal – ein Platz, an dem man fortan sitzen will.

Die neue „Rundbar“ (geschrieben: R&Bar) wurde nicht von irgendwelchen Architekturgurus gemacht, sondern von den R&Bar-Machern Lisa Scheid und Thomas Kienast mit Unterstützung eines befreundeten Architekten selbst. Das Buntglas, erzählt Scheid, hätte ihr Opa über Jahrzehnte gesammelt, die Terrazzo-Tische hätten sie selbst gegossen, die Sessel bei einem Design-Antiquitäten-Verchecker gefunden. Dazu muss man sagen, dass Scheid und Kienast eigentlich gar keine Wirte sind, sondern das Filmproduktionsbüro im ersten Stock betreiben, aber sich halt dachten, dass da ein Lokal im Erdgeschoß auch okay wäre.

Ja, ziemlich okay. Und wie Amateure halt so sind, gaben sie sich sehr viel Mühe. Holten sich den Espresso von einem Kleinröster aus St. Pölten, setzten ein paar gute Biere und Weine auf die Karte und suchten längere Zeit nach einem Koch, dem sie kaum Vorgaben machen wollten, der ihnen nur taugen sollte. Und fanden den jungen Andrea aus Grado, der auch schon mal im Taubenkobel gekocht hatte und dem in letzter Zeit bei einem Innenstadt-Italiener eher recht fad war.

Hier kocht er jetzt abseits von Konventionen und Klischees, köstliche, farbenfrohe Kleinportionen, Edel-Barfood gewissermaßen, selbst eingelegtes Gemüse mit Cashewcreme zum Beispiel, eine Kreation aus Püree, Sprossen, Joghurt und gekochten Erbsen, köstlich (€ 7,–), ein Stückchen extra-flaumige Spargelquiche mit Kräutersalat (€ 8,50), Topinambur-Creme oder gewürfelte Lachs-Ceviche mit roten Rüben und sardischer Pasta (€ 9,–).

Will man alles haben, will man alles trinken, während man da auf diesem Bankerl sitzen will. Vermutung: Solche Lokale, so unkonventionell, mit so fröhlichen Gästen, fallen nur Quereinsteigern ein.

Resümee:

In erster Linie ist die R&Bar wohl eine Bar, in zweiter Linie aber überaus hübsch und in dritter Linie kann man auch gut essen.

R&Bar

7., Lindeng. 1, Tel. 01/522 44 47, Mi–Sa 16–2, www.dierundbar.com


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