Phettbergs Predigtdienst

Mischung aus Mitgefühl und Hochachtung

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 17/15 vom 22.04.2015

Bei Dr. Wilhelm Aschauer sah ich alles sprießen. Der Doktor ist ein überaus sorgfältiger Gärtner, alles in seinen Händen knospt und sprießt: Erstens hält er sich eine seit Jahren am Leben bleibende Pflanze, die Jahr für Jahr alles verliert, aber eisern im Frühling wieder erblüht, zum Beispiel jetzt, in dem Moment, du siehst, wie die Himmelsknospen dicker und dicker werden. Genauso siehst du's bei der Akupunktur in dir. Heuer sind die Knospen des Kirschbaums viel weiter als in den vorigen Jahren!

Trotzdem erfror ich heute beim Frühstücken am Pintplatz. Wenn mich doch die Barmherzigen Schwestern wieder zum Frühstück in ihren Gemächern zuließen! Doch ich bin kein Patient und kein Besucher, der Kranke besucht. In Gumpendorf kannst du nirgendwo in der Wärme dich niederlassen, außerdem gibt es keine Toilette am Pintplatz.

Bezirksvorsteher Markus Rumelhart sah mich frühstücken und wie ich dabei vor Kälte schlotterte. Er gab mir ein Stück Milchschokolade als Nachspeise, das Stück schaute entweder wie ein Osterhäschen oder wie ein Lokomotivchen aus, es schmeckte jedenfalls 1. mir und 2. sehr gut. Er verteilte gerade Werbeprospekte für den Wiener Landeshauptmann Michael Häupl, dass ab nun dank seiner Partei wieder preisgünstige Gemeindewohnungen errichtet werden. Oft treffe ich den Bezirksvorsteher mit seinem Hund Clio an der Leine. Vorige Woche hatte ich schon kurze Hosen an, und der Hund kraxelte über mich und leckte meine braun werdenden Schenkel. Deshalb hab ich jetzt mir Folgendes vorgenommen: Da Rumelhart bekennender Schwuler ist und sein Hund meine Schenkel abschleckte, werde ich heuer bei den Wiener Gemeinderatswahlen Grün wählen und bei der Bezirkswahl SPÖ. Ich bin bestechlich!

Meine Krönung fand aber statt in der heutigen Nacht, indem ich träumte, ich war im Traum Geselle des Salzburger Festspieldirektors und durfte mit ihm Regie führen. Alle sahen mich mit voller Hochachtung an, in dieser Hochachtung aber sah ich Mitleid. Wie gesagt, der Mensch, der die Technik erfindet, dass Träume aufgezeichnet abgerufen werden können, wird den Nobelpreis bekommen! Denn die Mischung der Hochachtung und des Mitgefühls in den Augen meines Traumes war SEHENSWERT.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr


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